Warum Wowereit als Bürgermeister zurücktreten muss

Er will den Aufsichtsratsvorsitz abgeben. Höchste Zeit, nachdem sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg in Schönefeld zum vierten mal in seiner Amtszeit zerschlägt. Nachdem festgestellt wurde, dass der ganze Bau eine einzige Katastrophe darstellt und eigentlich eher einer Ruine als einem Flughafen gleicht, von dem bald Flieger abheben werden. Er hinterlässt ein Chaos, dass es jetzt erst mal zu sortieren gilt. Er sagt, er sei daran nicht schuld. Aber er war Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft FBB. Als solcher hat er Kontrolle auszuüben und nicht blind geschönten Berichten zu vertrauen.

Er hat den Flughafen zu seiner Chefsache gemacht und wollte sich daran messen lassen. Dabei hat er die ganze Zeit nach dem Motto agiert, „irgendwie wird das schon“. Er wollte sich darin Sonnen, dieses Milliardenprojekt durchgezogen zu haben, wollte sich im Glanz und Ruhm sonnen. Er wollte alles übertreffen. Und das hat er geschafft. Die Stadt Berlin darf weitere etliche Millionen in dieses Monsterprojekt schießen. Oder besser gesagt: der Steuerzahler. Nicht nur die Steuerzahler Berlins, sondern auch die Brandenburgs und der gesamten Bundesrepublik dürfen für seinen Dilettantismus aufkommen. Und das ist nur ein Punkt, der die Bürger wütend macht.

Sicher, als Bürgermeister hat er sich große Verdienste um Berlin erworben. Jedes Jahr kommen mehr Touristen in eine Stadt, die arm aber sexy ist. Viele Firmen haben sich während seiner Regierungszeit in Berlin angesiedelt und Arbeitsplätze geschaffen. Doch jetzt fängt er an, die Stadt weltweit lächerlich zu machen. Jeder Bürger wusste, dass der letzte Termin am 27. Oktober 2013 nicht zu halten sein würde. Jeder. Dazu hatten die Medien einfach zu viele Mängel aufgedeckt. Wowereit hielt bis zum Schluss an dem Termin fest. Wie gesagt unter dem Motto “ Irgendwie wird das Ding schon fertig“.

Er behauptet, dass auch er am 06.Januar von der Nachricht überrascht worden sei, dass der Termin am 27. Oktober nicht zu halten sei, allerdings verdichten sich die Indizien, dass bereits am 18. Dezember 2012 bekannt war, dass das nicht machbar sei. Ob er bei der Besprechung dabei war oder nicht, er war der Aufsichtsratsvorsitzende. Und als solcher will er davon nichts gewusst haben? Kurios. Vielleicht ist er wirklich unschuldig und wusste von nichts, dann war er aber fehl am Platz.

Jedenfalls sind während seiner Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender Verträge mit Unternehmern geschlossen worden, die zum Teil mehrere Hunderttausend Euro in diesen Flughafen investiert haben, um dort Gastronomiebetriebe beziehungsweise Läden zu eröffnen. Die Hochgelobte Jobmaschine: Unternehmer mussten die gerade eingestellten Menschen wieder entlassen, weil diese ihre Arbeit nicht aufnehmen konnten. Es gehen Unternehmen in Konkurs, weil sie die Kreditzahlungen für die investierten Summen ohne Einnahmen nicht stemmen können. Wann der Flughafen eröffnet steht in den Sternen. Wie teuer Wowereits Chefsache den Steuerzahler noch kommt ist nicht abzusehen.

Nun stellt sich zu allem Unglück noch heraus, dass auch noch richtig viel Geld in die Hand genommen werden muss, um den Flughafen Tegel in Betrieb zu halten, der schon längst über seine Kapazitäten belastet wird und eigentlich schon geschlossen sein sollte. Dringendst müssen die WC’s und Fußböden erneuert werden, von den technischen Anlagen und der Ampelanlage an der Zufahrtsstraße mal ganz abgesehen. Mehrere Millionen Euro, die für eine Übergangslösung verpulvert werden.

Wowereit hat das Vertrauen der meisten Berliner verspielt. Und ein Bürgermeister, dem seine Bürger nicht mehr vertrauen, hat keine Legitimation mehr an seinem Sessel zu kleben. Genau das aber tut Wowereit. Er weigert sich, seinen Platz frei zu machen. Er lässt jede Form von Anstand und Rückrat vermissen. Zwar sagt er, er würde das tun um sich der Verantwortung zu stellen und er würde nicht weglaufen. Bloß manchmal ist weglaufen besser. Und wenn er sich seiner Verantwortung stellen wollte würde er seinen Platz räumen und sich selbst wegen Betrug und verantwortungsloser Verschwendung von Steuergeldern der Justiz zur Verfügung stellen. Als Angeklagter natürlich. Das hätte Stil. Das würde ihm sein Gesicht wiedergeben. Mit dem, was er jetzt macht, erinnert er eher an einen trotzigen Jungen, der immer schreit: „Ich will meinen Platz nicht räumen!!!“. Und von einem kleinen Lümmel will ich nicht regiert werden.

Wowereit kann diese Stadt weder nach innen noch nach außen mehr würdig vertreten. Er hat riesigen Schaden für die Bürger als Steuerzahler, die Fluggesellschaften, die Unternehmer, die am neuen Flughafen investiert haben, die Leute, die da einen neuen Job hatten und nun doch nicht haben gebracht. Er hat das Image der Stadt massiv geschädigt. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Darum kann er nur noch abtreten.

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