Mehdorn und der Flughafen – Vom Bock zum Gärtner

Wie verzweifelt müssen der jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Platzeck und dessen Stellvertreter Klaus Wowereit eigentlich sein? Die Kiste mit dem BER ist absolut verfahren. Man hat zu spät personelle Konsequenzen gezogen um die eigene Unfähigkeit, den Bau frist- und fachgerecht fertigzustellen, zu decken. Die beiden wollten kaschieren, dass sie selbst unfähig waren, ihren Aufgaben als Aufsichtsräte gerecht zu werden. Erst Wowereit als Vorsitzender und Platzeck als Vize. Nach einer halbherzigen und sinnlosen Rochade haben sie vor einiger Zeit die Plätze getauscht, um ernsthafte personelle Konsequenzen vorzutäuschen. Augenwischerei á la Wowereit.

Doch die Masse wollte Köpfe rollen sehen. Mit Rainer Schwarz wurde der Flughafenmanager, der ohne Zweifel einen riesigen Teil des Debakels verschuldet hat, abgesetzt. Ihre eigenen Köpfe konnten Wowereit und Platzeck – wie gesagt – durch einen absolut witzlosen Postentausch retten. Ihre Glaubwürdigkeit haben beide aber trotzdem vollständig verloren. Wowereit sicherte sich seine Macht noch einmal durch die Stellung einer „Vertrauensfrage“, deren Ergebnis  in einer namentlichen Abstimmung zustande kam. Wäre die Abstimmung nicht namentlich sondern anonym gewesen, hätte man ihn schon längst zum Teufel gejagt. Der Fraktionszwang hat ihn noch mal gerettet. Dazu hatte ich mich hier schon mal ausführlich geäußert.

Den Job von Rainer Schwarz wollten etliche Flughafenkapazitäten dann nicht machen. So sehr man auch suchte, es hagelte Absagen. Doch nun hat man IHN gefunden. Der Messias des Bundesdeutschen Verkehrs. Mit Hartmut Mehdorn hat man eine echte Kapazität in Sachen Verkehrsrettung gefunden. Immerhin hatte er von 1999-2009 die Deutsche Bahn geleitet und dahin gebracht, zu sparen, zu sparen, zu sparen…

Als erstes wurde an der Sicherheit gespart, dann an fahrenden Zügen, vom eingesparten Personal mal ganz abgesehen. Die Berliner S-Bahn ist bis heute, fast vier Jahre nach Mehdorns Abgang bei der Deutschen Bahn, immer noch in einem bedauernswürdigen Zustand. Das Chaos, das die Berliner und ihre Gäste seit Jahren bei diesem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn zu ertragen haben, ist unbeschreiblich.

Dann machte sich Mehdorn an die Sanierung des Flugunternehmens Air Berlin. Da durfte er vom 01. September 2011 bis zum 07. Januar 2013 Chef spielen. Sein Vertrag lief bis Ende 2013, aber er machte für Wolfgang Prock-Schauer schon vorher Platz. Klingt irgendwie nach freiwilligem Abgang, böse Menschen munkeln, er sei wegen Unfähigkeit abgesetzt worden. Aber er bleibt diesem Unternehmen noch als Verwaltungsratsmitglied erhalten.  Welch ein Glück für die marode Air Berlin!!!

Nun also bieten ihm Wowereit, Platzeck und Verkehrsminister Peter Ramsauer einen neuen Abenteuerspielplatz. Den Flughafen Berlin-Brandenburg, der eigentlich mal als Prestigeobjekt gedacht war. Wowereit und Platzeck, die beide wegen der Probleme bei der Berliner S-Bahn und bei der Bahn generell gemeckert hatten, stellen nun plötzlich beide erleichtert fest, dass es gelungen sei, so eine Koriphäe wie Mehdorn für die schwierige Aufgabe des Baus des BER zu gewinnen. Und schließlich hätte man ja schon immer gut zusammengearbeitet und außerdem sowieso eine sehr hohe Meinung voneinander. Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft lässt grüßen. Hier wird nun endgültig der Bock zum Gärtner gemacht.

Mir stellt sich ernsthaft die Frage, ob sich Platzeck und Wowereit der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst sind. Oder stecken hier eventuell ganz andere Leichen im Keller? Ich will das Wort „Seilschaften“ nicht wirklich benutzen, trotzdem steht dieser Verdacht im Raum. Es wäre schon interessant, mal die Verträge Mehdorns einzusehen. Wieviele Millionen an Abfindung steht ihm zu, wenn er auch beim BER wegen totalen Versagens und grenzenloser Unfähigkeit zum Teufel gejagt wird? Und was bringt er als Gegenleistung? Vielleicht lukrative Posten bei der Russischen Bahn oder bei Emirates Airlines wenn die beiden, was abzusehen ist, in der Politik keine Chance mehr haben? Was sind die genauen Absprachen zwischen den Parteien? Ohne solche Absprachen dürften Wowereit und Platzeck diesem Wahnsinn kaum zugestimmt haben.

Aber sehen wir die Sache doch mal positiv. Solange vom BER noch kein Flieger abhebt beschwert sich auch niemand über existierenden Fluglärm. Die Flughafengegner werden allerdings weiter gegen kommenden Lärm demonstrieren, doch der ist in unerreichbare Ferne gerückt. Außerdem werden viele Vogelarten ein abgeschirmtes Brut- und Ausbreitungsgebiet haben. Mehdorn, Platzeck und Wowereit tun also effektiv was für den Umweltschutz. Und wenn sich die Vögel und Echsen, das Hoch- Rot- und Niederwild dort niedergelassen haben, wird das ganze dann zum Naturschutzgebiet erklärt. Auch eine Lösung. Dann wird nie ein Flieger da abheben. Und wo kein Flieger abhebt gibt es auch keine Verspätungen. Mehdorn sei Dank. Kennt man sonst gar nicht von den Betrieben, die er mal unter seinen Fittichen hatte.

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