Hochwasser. Oder warum ich jetzt Spenden für witzlos halte

Um es vorweg zu sagen: Ich bin eine solidarisch denkender Mensch. Und auch an mir gehen die Bilder der überfluteten Gegenden und der Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, nicht vorüber ohne einen tiefen Eindruck zu hinterlassen. Es ist schon hart zu sehen, wie die Menschen dort schier verzweifeln. Und natürlich würde ich Geld spenden, wenn für mich nicht einige Punkte dagegen sprechen würden, die ich hier mal ein wenig beleuchten möchte.

Welche Spenden kommen an?

Die Hilfsorganisationen buhlen um die Gunst und die offenen Herzen sowie Brieftaschen der Spender. Das scheint dieses Jahr schwerer zu sein als 2002, als eine Welle der Spendenbereitschaft durch Deutschland rollte und sogar Menschen spendeten, die selbst kaum wussten wie sie über den Monat kommen würden. Diesmal bleiben die Brieftaschen bei vielen zu. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass ein Großteil der gespendeten Gelder in den Verwaltungsapparaten der Hilfsorganisationen versickert. Die Spender wollen den Menschen vor Ort lieber direkt helfen und fahren hin, um mit Sandsäcke zu stapeln. Das ist Hilfe die ankommt. Die Hlfsorganisationen haben an Glaubwürdigkeit verloren. Ich schreibe hier, wohlgemerkt, nicht über die Leute vom THW oder anderen Organisationen, die vor Ort aufopferungsvoll und bis zum Rande der Erschöpfung Sandsäcke stapeln, Keller leerpumpen und so weiter. Ich schreibe explizit von den Organisationen. Einen großen Denkanstoß in diese Richtung dürfte vor allem der Skandal um die Berliner „Treberhilfe“ gewesen sein, als herauskam, dass sich der damalige Chef einen Maserati als Dienstwagen leisten musste. So sieht Hilfe, die ankommt, jedenfalls nicht aus. Die Mitarbeiter der Treberhilfe allerdings haben einen wirklich sehr guten und wichtigen Job gemacht.

Politiker rufen zu Spenden auf

Ich sehe keinen Grund zu spenden nur weil diese Leute dazu aufrufen. Will sich Vater Staat hier aus seiner Verantwortung stehlen? Es macht schon sehr den Eindruck. Ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen muss es sein, wenn Kanzlerin Merkel eine Hilfe von 100 Millionen Euro zusagt, obwohl jedes Schulkind weiß, dass das nur der Tropfen auf den heißen Stein sein dürfte. Für die Rettung von Banken wären sofort 100 Milliarden da gewesen. Es ist diese Scheinheiligkeit der Politiker, die viele Menschen davon abhalten dürfte, zu spenden.

Allerdings befinden wir uns im Wahlkampf. Und es macht – nach Politikerlogik – eine gute Figur, auf den Deichen sein betroffenes Gesicht in die Kameras zu halten und was von Solidarität zu faseln. Ob die Betroffenheit dabei gespielt ist oder nicht sei dahingestellt.

Zweifel an Sinn und Zweck

Die Flut 2002 war gerade vorbei, die gröbsten Aufräumarbeiten abgeschlossen, als die Pläne für die neuen oder auszubauenden Deichanlagen vorgelegt wurden. Geld wurde dafür bereitgestellt und die örtlichen Politiker waren bereit, das Geld tatsächlich auch mal wirklich zu diesem Zweck auszugeben. Da hatten sie aber die Rechnung ohne Salamander, Schlangen und Frösche gemacht. Oder Umweltschützer. Oder, und das dürfte ein Hauptgrund sein, ohne die Bürgerinitiativen. Als Pirat bin ich sehr für Bürgerinitiativen. Wenn sie denn Sinn machen und etwas für die Allgemeinheit bewirken wollen.

Hier jedoch wurden Initiativen (oft auf Betreiben oder mit Unterstützung der GRÜNEN) gegen höhere und sicherere Deiche gegründet. Sie würden das Panorama zerstören, den Lebensraum der erwähnten Kriech- und Hüpftiere zerstören und so weiter und so fort. Mein Ausspruch, wir würden in Deutschland von Würmern und Schnecken regiert, gewinnt hier doch wieder an Bedeutung, oder? Also wurden die alten Deichanlagen zwar repariert und zum Teil verbessert, jedoch nicht ausreichend, wie wir jetzt sehen. Und diesmal war die Flut schlimmer als 2002.

Um den Lebensraum einiger Tiere und ein ach so schönes Panorama zu schützen wurden nötige und vernünftige Ausbauten der Deichanlagen durch diese Bürgerinitiativen vielerorts verhindert. Nun war aber das Geld da. Zur Verfügung gestellt vom Staat oder gespendet von Bürgern. Verwendungszweck: Ausbau der Deichanlagen. Aber wann hat man als kleine Gemeinde schon mal Geld zur Verfügung? Also nahm man das Geld für andere Sachen.

Auch die Betroffenen selbst haben also an Vertrauen verloren. Sicher: Viele der Betroffenen erklären jetzt, sie würden sich nicht noch mal an solchen blödsinnigen Initiativen beteiligen um Kriechtiere zu retten, die jetzt eh abgesoffen sind. Aber wer von denen denkt noch daran, wenn erst die gröbsten Schäden beseitigt sind?

Die Medien

2002 hatten die Medien (und die Politiker) ständig von „der Jahrhundertflut“ gesprochen. Man bedenke: Das neue Jahrhundert war gerade erst zwei Jahre alt. Aber durch diese Erklärungen, die wahrscheinlich unter Zuhilfenahme von Kristallkugeln zustande kamen, implizierte man der Bevölkerung, dass eine schlimmere Flut nicht mehr kommen könne. Zumindest nicht in diesem Jahrhundert. Das hat wahrscheinlich den besagten Bürgerinitiativen sogar Aufschwung gegeben. Wenn jetzt nur noch relativ kleine Wellen zu erwarten seien, bräuchte man ja keine größeren Deiche. Darin liegt, ironischerweise, sogar eine gewisse Logik. Eine tragische Logik wie sich jetzt zeigte. Mancher, der bereits 2002 alles verloren hatte, steht wieder vor einem kompletten Neuanfang.

Fazit

In der Überschrift heißt es: „warum ich jetzt Spenden für witzlos halte. Hierbei liegt die Betonung wohlgemerkt auf dem „jetzt“. Die Deutschen sind kein egoistisches Volk. Sie betrachten sich in der großen Mehrheit sogar als Solidargemeinschaft. Ja, die Deutschen halten zusammen wenn es nötig ist. Mag auch sonst der Berliner auf den Sachsen schimpfen und umgekehrt. Und beide ziehen über die Bayern her und bekommen von dort Retour. Die Frötzeleien, Witze und Vorurteile übereinander ziehen sich durchs ganze Land und sind ein Teil unseres Alltags. Aber wenn es drauf ankommt stehen wir fest zusammen. Und das ist gut so.

Ich bin überzeugt, dass die Spendenbereitschaft später erst richtig losgeht. Nur wollen die Spender diesmal sicher sein, dass das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird und dafür verwendet wird, wofür es gedacht ist. Und darauf haben sie ein absolutes Anrecht. Und sie wollen nicht, dass irrwitzige Bürgerinitiativen wieder die Spendenbereitschaft ad absurdum führen. Wenn das sichergestellt ist, werde auch ich gern meinen Teil dazu beitragen und den Menschen in den betroffenen Gebieten eine Spende im Rahmen des mir Möglichen zukommen lassen.

 

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