Schreiben sie noch oder verschlüsseln sie schon?

index„Ich habe nichts zu verbergen.“ „Jedes Land hat doch Geheimdienste.“ „Ich kann sowieso nichts dagegen tun.“ Solche und andere – eigentlich resignierende – Sätze hört man überall. Doch spätestens seitdem Edward Snowden das Ausmaß US-amerikanischer Ausspähmaßnahmen enthüllt hat, sollte jedem klar sein: Eine geschützte Privatsphäre gibt es nicht mehr. Oder man muss sie selbst schützen. Das Zeitalter der Passivität ist vorbei. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Jeden Tag haben die Damen und Herren des NSA Schätzungen zufolge alleine in Deutschland etwa 500.000.000 (Fünfhundertmillionen!!!) Metadaten abgegriffen (FAZ-Artikel vom 03.07.2013). Metadaten sind Verbindungsdaten. Aber auch Inhalte von zum Beispiel E-Mails wurden gecheckt und mit einer Software namens PRISM ausgewertet. Daten von zumeist völlig unbescholtenen Bürgern, die sich nichts weiter zuschulden kommen ließen als E-Mails oder SMS zu schreiben, auf Facebook mit Freunden in Kontakt zu bleiben oder andere terroristische Attentate zu verüben. Ganz nebenbei wird übrigens auch der E-Mailverkehr der Unternehmen auf diese Weise abgefischt, das Ganze muss sich ja schließlich auch rechnen.

Im Namen des „Kampfes gegen den Terror“ werden also in Deutschland grundgesetzwidrig alle Bürger unter Generalverdacht gestellt. Dumm nur, dass man nach deutschem Recht so lange als unschuldig gilt, bis einem die Schuld nachgewiesen worden ist. Es werden widerrechtlich Profile unbescholtener Bürger erstellt: An wen hat man wann E-Mails oder SMS gesendet und was war in etwa der Inhalt, mit wem hat man wann telefoniert und – GPS macht’s möglich, wo hat man sich wann befunden. Sie haben sich im Wald verlaufen? Rufen sie die Leute vom NSA an, die wissen wo sie sind. Schließlich muss man Freunde überwachen, man kümmert sich halt liebe- und sorgenvoll um sie.

Unser bester Innenminister aller Zeiten, Hans-Peter Friedrich, war in den USA, um dem Präsidenten Obama zu dem Thema mal gehörig die Meinung zu sagen und zu fragen, was das denn soll. Zurück kam er mit der Meldung, dass ja alles ganz anders sei und eigentlich nicht so schlimm, vor allem aber bliebe Obama wohl am Ball und würde alles aufklären. Also sei alles okay und PRISM doch nur zu unserem Schutz da, schließlich habe der NSA wohl fünf Terroranschläge in Deutschland durch unsere Überwachung verhindern können, es könnten aber auch sieben oder vielleicht… Eigentlich weiß man es nicht. Die Relation zur Zahl 500.000.000 ist dabei erschreckend.

Die Leute, die unsere Freiheit und Grundrechte eigentlich vertreten und verteidigen sollen, wussten angeblich von nichts und machen komplett auf ahnungslos. Erst so nach und nach bekommt die Öffentlichkeit mit, wie tief die eigenen Geheimdienste in die Angelegenheit verstrickt waren. Deutsche Geheimdienste unterliegen der Aufsicht des Bundeskanzleramtes, welches wiederum dem Kanzleramtsminister, Herrn Ronald Pofalla, untersteht. Und der wiederum ist unserer Kanzlerin, Frau Merkel rechenschaftspflichtig. Merken sie was? Wie wollen diese Leute also von nichts gewusst haben? Aber in Zeiten, in denen die Bürger immer mehr Mitspracherecht einfordern, ist es besser, solche Informationen natürlich auch zur Hand zu haben. Für den Machterhalt hat man so unschlagbar wichtige Informationen und kann „unliebsame Elemente“ notfalls mit schmutzigen Kampagnen demontieren.

Nun stellen immer mehr Bürger fest, dass man sich also selbst schützen muss. Die Anzahl der Menschen steigt, die zu den sogenannten Cryptoparties, welche zumeist von der Piratenpartei angeboten und organisiert werden, kommen. Auf diesen Veranstaltungen lernen die Teilnehmer völlig kostenlos, wie man seine E-Mails, ebenfalls kostenfrei, verschlüsseln kann. Ein Wissen, dass gerade für Ausübende geschützter Berufe wie Rechtsanwälte, Journalisten oder Ärzte, immer wichtiger wird. Rechtsanwälte und Ärzte unterliegen der Geheimhaltungs- oder Schweigepflicht, Journalisten müssen ihre Informanten schützen. Und auch der normale Bürger hat seine Vorteile davon, selbst wenn er nur eine E-Mail an seinen Sachbearbeiter in irgendeinem Amt schreibt.

Kämen sie jemals auf die Idee, einen Antrag ans Jobcenter auf einer Postkarte zu versenden? Sicher nicht. Zum einen geht es die Mitarbeiter der Post nichts an, was sie vom Jobcenter wollen, zum zweiten ist es vielen schon unangenehm, wenn selbst die Nachbarn wissen, dass man Transferleistungen bezieht. Warum also dann die Mitarbeiter der Post? Außerdem teilt man schließlich auch private Daten mit, die für die Antragsstellung wichtig sind (evtl. Kontonummer, persönliche wirtschaftliche Verhältnisse etc.). Privatsphäre halt. Also wird der Antrag im geschlossenen Briefumschlag versendet. Und nur der Empfänger, also eine vom Absender autorisierte Person oder Behörde darf ihn öffnen. Das ist auch im Paragraphen 206 StGB genau so geregelt. Post- und Fernmeldegeheimnis.

Nun stellt sich die Frage, ob denn auch verschlüsselte E-Mails wirklich sicher sind und ob sich der Aufwand lohnt. Diese beiden Fragen kann man getrost mit „Ja“ beantworten, auch wenn man, außer auf den Tod, nie eine hundertprozentige Garantie hat. Natürlich können auch verschlüsselte E-Mails geknackt werden. Allerdings würde das, bei einer E-Mail, nach vorsichtigen Schätzungen und unter Berücksichtigung heutiger Computertechnik, mehrere Jahre dauern. Wie gesagt: Die Entschlüsselung einer Nachricht. Die Geheimdienste dürften also in Zukunft immer mehr zu tun haben. Und der Aufwand ist verschwindend gering. Man muss sich das jeweilige Programm, zum Beispiel GnuPG, einmal installieren und sich die Schlüssel erzeugen. Und dann den öffentlichen Schlüssel, mit dem der Konversationspartner die E-Mails an einen selbst verschlüsselt, an alle senden oder auch auf sogenannte Schlüsselserver hochladen. Das klingt kompliziert, ist aber doch recht einfach. Wie gesagt, die Leute bei den Cryptoparties der Piratenpartei oder auch die bösen Jungs und Mädels vom Chaos Computer Club (CCC) helfen ihnen gern. Termine für die Cryptoparties der Piratenpartei erfahren sie zum Beispiel auf http://kryptoparty.de/. Hier hilft man ihnen gern und unterstützt sie bei Fragen.

Nun bleibt eigentlich nur noch die Aufforderung an sie: Nehmen sie diese Angebote wahr, kommen sie zu den Cryptoparties, überzeugen sie ihre E-Mailbekanntschaftendavon, ihre E-Mails ebenfalls zu verschlüsseln. Und vor allem: Nehmen sie ihre (Daten)Sicherheit in die eigenen Hände. Das übrigens fordert selbst der für unsere Sicherheit zuständige Innenminister Hans-Peter Friedrich.

Nur noch eine Information zum Abschluss: Der NSA will bei Wiesbaden eine neue, weitere Abhörstation aufbauen. Um sie weiter und effektiver ausspionieren zu können.

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