Menschenrechte, olympische Spiele und Sponsoren

1146609_10151747928432874_783727345_nSotschi/ Karikaturen/ Vasily Slonov

Denken sie mal über diese Bilder Nach. Und auch darüber, dass Menschenrechte unantastbar sind. Darüber, dass wir im 21. Jahrhundert leben, in einer aufgeklärten Welt, in der immer wieder von Gleichberechtigung und dem Glück der Menschen gesprochen wird.

Glück und Freiheit, so propagieren es die Sponsoren der olympischen Spiele in Russland, gehört zum Lebensgefühl ihrer Marken. Nur bei MC DONALD’S sind Kinder wirklich glücklich, wenn sie sich mit den Eltern dort ihre Mägen versauen dürfen. Das Gefühl von Freiheit nehmen Coca Cola und Visa für sich in Anspruch. Und Kameras von Panasonic halten die schönsten Momente des Lebens fest, Momente, an die man sich halt gern erinnert.

Sind auch die Bilder oben mit Panasonic-Kameras aufgenommen worden? Sie symbolisieren jedenfalls nicht die Momente, an die sich die Betroffenen gern erinnern werden. Sie zeigen brutalste Gewalt gegen Schwule.

In Russland, wo nun die olympischen Spiele ausgetragen werden sollen, werden Schwule und Lesben immer stärker verfolgt. Zar Putin will es so und erlässt ein Edikt nach dem anderen, um die Freiheiten und das Glück dieser Menschen, die genau diese für sich in Anspruch nehmen wollen, weiter zu beschneiden. Nazis locken schwule Jugendliche und Männer gezielt in Fallen um sie zu erniedrigen, zu foltern oder, in den extremsten Fällen, sogar zu töten. Mit welchem Recht?

Ich selbst bin heterosexuell, habe aber einen großen schwulen Freundeskreis. Und ich habe längere Zeit auch in einer „schwulen Kneipe“ gekellnert. Dabei sind diese Freundschaften entstanden. Vielleicht habe ich keine Berührungsängste zu homosexuellen Menschen, weil mich meine Mutter zur Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben erzogen hat. Sie hat mir bereits als ich Kind war erklärt, dass es halt auch Männer gibt, die Männer lieben und Frauen, die eher auf Frauen stehen. Und dass das absolut kein Problem sei.

Ich danke meiner Mutter, dass sie mir diese Weltsicht vermittelt hat und bedaure Putin für seinen kranken Geist. Genauso tun mir auch diejenigen leid, für die die Existenz von Schwulen und Lesben ein Problem darstellt. Aber zurück zum Thema.

Leider gibt es auch bei uns im „aufgeklärten“ Westen solche Menschen, die mit der Tatsache der Existenz von Schwulen und Lesben ein Problem haben. Und noch immer ist die Lebenssituation schwuler und lesbischer (eingetragener) Lebensgemeinschaften nicht mit der von heterosexuellen Ehepaaren gleichgestellt, obwohl unsere Politiker behaupten, mit Hochdruck an dem Thema zu arbeiten. Nehmen wir nur die Stichworte „Ehegattensplitting“ oder Adoption.

Aber immer mehr Menschen, zumindest in Deutschland, wollen, dass auch die Schwulen und Lesben ein gleichberechtigtes Leben führen können. Dass macht mich froh, zumal wenn ich die Situation in Frankreich sehe, wo tausende Demonstranten gegen die Homosexuellenehe auf die Straße gingen. Auch unser neuer Papst hat mittlerweile die Rechte der Schwulen und Lesben eingefordert.

Hier geht es nicht um den Untergang der zivilisierten Welt, sondern ganz einfach um die verbrieften Menschenrechte, darum, dass jeder Mensch sein Glück selbst in die Hand nehmen kann und sein Leben selbst bestimmt. Nun geht es darum, gemeinsam auch für die Rechte der Anhänger gleichgeschlechtlicher Liebe einzustehen. Und für deren Glück. Um Minderheitenschutz halt.

Wenn MC DONALD’S, Panasonic, Coca Cola und VISA wirklich die olympischen Spiele in einem Land, in dem die Rechte von Schwulen und Lesben mit den Füßen getreten werden, sponsorn, verstoßen sie gegen ihre Werbung. Irreführende Werbung ist, zumindest in Deutschland, aber verboten. Sie helfen einem totalitären Regime, indem sie ihm die prestigefördernden olympischen Spiele mitfinanzieren, um ihre Falschwerbung verbreiten zu können. Sie unterstützen die gezielte Ausgrenzung spezieller Bevölkerungsgruppen.

Den größten Vorwurf muss man allerdings dem Internationalen Komitee machen, welches die Austragung der olympischen Spiele an ein Land vergab, in dem Menschenrechte generell ein Fremdwort sind. In dem Andersdenkende auch verfolgt werden, wenn sie nicht schwul oder lesbisch, sondern nur anderer Meinung als Zar Putin sind.

Was aber könnte dagegen getan werden? Und warum wird es nicht getan?

  1. Die Sponsoren könnten vom Sponsoring zurücktreten. Das würde dem Regime Prestige entziehen und den Marken wieder Glaubwürdigkeit verleihen. Genau diesen Schritt aber werden sie nicht wagen, zu groß wiegen die wirtschaftlichen Interessen.
  2. Die Sportler könnten auf die Teilnahme verzichten. Das ist sicher ein schwerer Schritt, schließlich haben sie jahrelang trainiert, um sich ihren Traum von der Teilnahme an den Spielen zu verwirklichen. Und deswegen werden sie teilnehmen.
  3. Die internationalen  Medien könnten auf eine Berichterstattung außerhalb Russlands verzichten. Aber dass werden sie nicht tun, es geht um Einschaltquoten und Umsätze. Werbeeinnahmen, die auch durch die Falschwerbung der Sponsoren generiert werden. Geld wiegt mehr als Menschenrechte, Gleichberechtigung und Glück.
  4. Die Fernsehzuschauer und die glücklichen Besitzer von Eintrittskarten könnten die Spiele boykottieren. Kostet die Sender Einschaltquoten und die Übertragung der Sportevents aus leeren Stadien würde ebenfalls das Regime Prestige kosten. Aber dem steht die Sportbegeisterung gegenüber. Oder der Preis für die Eintrittskarten, oft auch die Reise- und Hotelkosten, die schon bezahlt wurden, gegenüber.
  5. Unsere Politiker könnten endlich mal gegen Putin Sturm laufen. In Russland werden Ehen zwischen schwulen Männern und lesbischen Frauen geschlossen, um nach außen den Schein zu wahren und ein halbwegs normales Leben führen zu können. Sind unsere Politiker nicht immer schnell bei der Hand wenn es gilt, Zwangsehen zu verurteilen und zu versprechen, dagegen vorzugehen? Hier liegt nichts anderes vor. Nur darf man es sich mit Putin nicht verscherzen, Russland ist zu wichtig für die deutsche Wirtschaft.

Somit wird sich Putin leider als Ausrichter erfolgreicher Spiele feiern lassen können. Und das wird er ganz sicher tun. Wenn in Russland irgendwas klappt, ist es Putins ganz persönlicher Verdienst, wenn was schief läuft waren es immer die anderen. Das kennen wir schon von absolutistischen Monarchien. Und das funktioniert auch heute noch. Ich jedenfalls habe mich entschlossen, zukünftig die Produkte der Sponsoren dieser Spiele zu boykottieren. Es gibt andere gute (oder bessere) Hersteller elektronischer Artikel, eine Kreditkarte braucht man nicht wirklich, Cola muss ich nicht haben oder kaufe andere Marken, es gibt ja genug. Und „Fett an Trief auf Pampe“ kann ich auch an jedem anderen Imbiss haben oder zu Hause billiger selber machen. Lebensgefühl? Geht dabei garantiert nicht verloren.

Ich überlasse es jedem, seine Entscheidung selbst zu treffen. Sie ist legitim. Denn zumindest wir hier in Deutschland sind darin doch (relativ) frei.

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