Merkelphone – Sie hat es schon lange gewusst

„Nee, also wirklich Barack, sowas macht man doch nicht. Wir sind doch gute Freunde. Warum bist du nur so böse? Mach das bitte nicht noch mal, ja?“ So oder ähnlich darf man sich das Telefonat vorstellen, welches Obama in seinen Grundfesten erschüttert haben dürfte. Denn ernst zu nehmen ist es sicher nicht.

Merkels jetzt zur Schau gestellte Empörung scheint groß zu sein. Dabei ist sie – meines Erachtens – zwar echt, aber sie hat sie lange mit sich herumgetragen. Warum stelle ich diese Behauptung auf? Weil sie eine Folge logischen Denkens ist.

Bereits vor der Wahl habe ich, wie auch andere PiratenInnen, die Meinung vertreten, dass Merkel die wahre Bombe in Sachen Datenschutz erst nach der Bundestagswahl platzen lassen wird. Vorher wäre es für sie zu riskant gewesen, dann wären ja mehr Stimmen auf die Parteien gefallen, die sich wirklich für den Datenschutz einsetzen. Unter anderem auf die Piraten. Und wenn die in den Bundestag eingezogen wären, hätte sie vor der unbequemen Situation gestanden, dass die von Pofalla als beendet erklärte NSA-Affäre nun doch nicht beendet ist, sondern wirklich aufgeklärt wird. Damit wäre vielleicht der gesamte Umfang der besagten Angelegenheit untersucht worden und herausgekommen, welche gravierende Rolle doch die Merkel-Regierung aus CDU, CSU und FDP dabei gespielt hat.

Solange lediglich bekannt war, dass die BürgerInnen ausgespäht werden, wurde die Spionageaffäre unter den Teppich gekehrt, als Sicherheitsdienlich abgetan und die BürgerInnen ruhig gestellt. Dass dabei geltendes, im Grundgesetz verankertes Recht gebrochen wurde, spielte keine Rolle. Geheimdienste machen nun mal ihren Job und wer nichts zu verbergen hat… Man erinnert sich ja. Mit dem selben Argument wurde übrigens in der DDR den Schülern die Überwachung durch die STASI schön geredet.

Jetzt hat das Ganze aber eine völlig andere Dimension. Hier wurde eine Staatschefin überwacht. Eine Staatschefin, die die amerikanischen Freunde wegen der Überwachungsaffäre in Schutz genommen hat. Und das kann ja nun wirklich nicht sein. Kann es nicht? Doch. Denn wenn die Überwachung der BürgerInnen in Ordnung ist, ist es die Überwachung der Kanzlerin erst recht. Denn in erster Linie ist sie nämlich eins: Eine Bürgerin dieses Landes. Und somit darf sie, wie etwa 80 Millionen andere BürgerInnen schließlich auch, unter einen rechtswidrigen Generalverdacht gestellt werden. Zum Schutze der amerikanischen Interessen und für den Kampf gegen den internationalen Terror. Es ist doch in Ordnung, wenn es BürgerInnen trifft. Und zu denen gehört sie nun mal, wie bereits erwähnt, auch. Außerdem wäre es schrecklich naiv zu glauben, dass die „normalen BürgerInnen“ für die amerikanischen Geheimdienste wirklich um so vieles interessanter sind, als die Frau, die die wirkliche Macht in Deutschland hat und die Geschicke des Landes lenkt. Schon für die antiken Potentaten war es bei der Planung ihrer Kriegszüge sicherlich wichtiger zu wissen, was ein Bauer des anzugreifenden Volkes zu Mittag isst, als die Vorkehrungen, die der gegnerische König zur Abwehr eines Angriffs unternehmen oder wie stark seine Armee sein würde.

Nun sind die Wahlen gelaufen, nun kann dass ja ans Licht. Allerdings ist der Zeitpunkt immer noch ungünstig. Die Koalition mit der SPD ist noch nicht geschmiedet, auch die Mitgliederbefragung der SPD zum noch auszuhandelnden Koalitionsvertrag steht noch aus, es ist also noch nicht alles in Sack und Tüten.

Was aber ist der eigentliche Skandal an der Angelegenheit? Die Überwachungsaffäre an sich ist es meiner Ansicht nach nicht, sondern das Selbstverständnis unserer Regierungschefin, über denen zu stehen und etwas Besseres zu sein als die, zu denen sie von Rechts wegen nun mal gehört: den BürgerInnen dieses Landes. Dass das Vertrauen in die USA von offizieller Seite her erst dann erschüttert ist, wenn die politische Elite selbst betroffen ist. Ein weiterer Punkt ist die Frage, warum unsere eigenen Geheimdienste nicht in der Lage waren, selbst die Kanzlerin nicht vor diesen Lauschangriffen zu schützen. Und dass offensichtlich alle Geheimdienste so komplett aus dem Ruder gelaufen sind, dass eine Korrektur der Überwachung der Überwacher dringend nötig ist. Merkel weiß dass schon lange. Glauben sie mir.

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Ist wirklich „die Kirche“ schuld?

Seit Tagen können wir es lesen: Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst verschwendet für seinen neuen Bischofssitz nicht 5,5 Millionen, sondern doch eher 31 Millionen, eigentlich könnten es sogar vierzig werden… Ein Ende der Kostenspirale scheint nicht absehbar.

In etlichen Blogs konnte ich nun mehrfach lesen, dass es ja damit „endlich mal die Richtigen“ treffe, „die Katholen“ waren schon immer so oder „die Kirche hat es ja“. Auch so was wie „Wasser predigen und Wein saufen“ durfte ich da erfahren.

Sicher: So ganz falsch sind diese Kommentare nicht. Und trotzdem sind sie komplett verkehrt. Warum? Ganz einfach: Es geht hier nicht um die Kirche an sich, sondern um einen!!! Menschen der den Hals nicht voll genug bekommen konte, der seine Prunk- und Protzsucht massiv auslebte. Die katholische Kirche bringt Bichof Tebartz-van Elst durch seine Gier in schmerzlichen Verruf.

Fakt: Eine Kirche ist eine Glaubensgemeinschaft und besteht in erster Linie aus etlichen einzelnen Menschen, im Falle der Katholischen Kirche handelt es sich um etwa 1,196 Milliarden Mitglieder (Quelle: Wikipedia). Die weitaus größte Anzahl von ihnen lebt die von ihrer Kirche vertretenen Ideale so, wie man es erwarten darf. Sie engagieren sich mehr oder weniger, leisten ihren Dienst an ihrem Gott und der menschlichen Gemeinschaft, helfen in Not geratenen Mitmenschen, oft auch solchen, die anderen Religionsgemeinschaften angehören, und nehmen ihre Pflichten als Katholiken wahr.

Die meisten Katholiken sind froh, dass es nun endlich mal wieder einen „Papst der Armen“ gibt, einen, der die katholische Kirche wieder zu ihren Wurzeln zurückführt, den Gläubigen und Nichtgläubigen ein leuchtendes Vorbild sein kann. Papst Franziskus hat ein schweres Erbe angetreten. Ein Erbe, das eine Bürde darstellt, die die meisten von uns nicht in der Lage wären zu tragen. Er ist in der Situation, das Vertrauen in eine Kirche wieder herzustellen, welches durch die Verfehlungen einzelner!!! Schaden genommen hat.

Er trat ein Erbe an, welches belastet war durch einzelne!!! Priester, die ihre minderjährigen Schützlinge missbrauchten, auch sexuell. Sein Erbe ist vorbelastet durch einzelne!!! katholische Würdenträger, die ihre Macht missbrauchten um sich selbst ein besseres Leben zu ermöglichen. Vor allem aber birgt sein Amt die Bürde der Hoffnung, dass nun alles besser wird. Dass „der Laden endlich mal aufgeräumt wird“.

Tebartz-van Elst ist sicher dabei nur die berühmte Spitze des Eisbergs, aber er ist derjenige, der es maßlos übertrieben hat. Bereits seit längerem protestieren die Mitglieder seiner Diözese gegen seinen autoritären Führungsstil, dagegen, dass er sich wie ein König aufführt. Dagegen, dass er die Gläubigen seines Bistums nach Strich und Faden hinters Licht führt.

Es sind nicht die gläubigen Katholiken, die es für nötig befanden, sich Badewannen für jeweils 15.000 Euro ins Bad zu stellen. Es sind nicht die gläubigen des Bistums Limburg, die unter Aufbietung einer massiven kriminellen Energie die Baukosten in abnorme Höhen trieben und die Wahrheit darüber verschleierten.

Es ist Tebartz-van Elst, der betrog, hintertrieb und diese kriminelle Energie entwickelte. Es ist nicht „die Kirche“. Auch nicht „die Katholen“. Da möchte ich doch um Unterscheidung bitten und an dieser Stelle an Katholiken wie Mutter Teresa oder Franz von Assisi erinnern.

Es ist wie in einer Partei. Wenn zum Beispiel einer meiner Piraten in großem Stil betrügt, die Parteikassen plündert, Meineide ablegt und Steuern hinterzieht würde ich mich auch schlecht fühlen, wenn die Öffentlichkeit von diesem einen auf alle Piraten schließen würde. Denn auch eine Partei ist in erster Linie eine Ansammlung vieler Mitglieder, die ebenfalls ein Ideal vertreten, welches man vielleicht sogar mit einer Art Glauben gleichsetzen kann. Also lassen wir doch bitte mal die Kirche im Dorf.

Tebartz-van Elst hat einen Scherbenhaufen hinterlassen, der so schnell nicht zu kitten sein wird. Viele Katholiken treten derzeit aus ihrer Kirche aus und verlassen damit, ob aus Protest oder weil „das Fass einfach mal übergelaufen ist“, die Gemeinschaft, die ihnen einst ein zweites Zuhause ware, die ihnen vielleicht wie eine zweite Familie gewesen ist. Sie wollen nicht mehr einer Kirche angehören, in der „die da oben“ machen können was sie wollen. Für viele war bestimmt auch der Druck der Öffentlichkeit und die einseitige Berichterstattung der Medien nach den Missbrauchsskandalen zu groß. Sie wollen jedenfalls nicht mehr dazugehören. Lieber leben sie ihren Glauben Zuhause im stillen Kämmerlein als dass man weiter auf sie als Teil einer Kirche zeigt, die jahrelangen Missbrauch, Völlerei und Betrug einzelner!!! zugelassen, vielleicht sogar unterstützt hat.

Viele von diesen Vorurteilen stammen noch aus dem Mittelalter, vor allem aber aus der Renaissance. Man erinnere sich nur an den Borgiapapst Alexander IV., der keine der Todsünden ausließ. Aber noch mal: Nie war es die katholische Kirche, die diese Verbrechen beging, es waren einzelne in Machtpositionen. Nicht die katholische Gemeinschaft. Die aber hat nun das Problem mit Vorurteilen, die sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte angesammelt haben. Und sie hat ein ernsthaftes Problem mit einigen!!! in ihren Führungsriegen. Mit einigen? Ja. Denn auch beim Führungspersonal der katholischen Kirche handelt es sich zum weitaus größten Teil um Personen, die wirklich ihren Glauben und seine Werte leben. Und die nun unter den Vorurteilen, die durch die Verfehlungen anderer aufgekommen sind, zu leiden haben.

Papst Franziskus hat sich diesem Erbe gestellt. Er zeigt uns, dass Werte wie Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Liebe, Mitgefühl und Hilfe, kurzum der Dienst an den Menschen, die wahren katholischen Werte sind. Ich wünsche ihm und allen katholischen Menschen dieser Welt dabei viel Kraft und die nötige Ausdauer. Die werden sie nämlich brauchen auf diesem Weg, der lang und steinig sein wird. Diese aufrichtigen Wünsche kommen von einem Menschen, der kein Katholik ist.