Die wichtigste Frage: Wo stehen wir?

Heute findet im Walden wieder eine Gebietskonferenz meiner Pankower Piraten statt. Ein Tagesordnungspunkt soll eine so genannte Wahlkampfnachlese sein, also eine Auswertung, was im Wahlkampf richtig oder falsch gelaufen ist. Und die Klärung der Frage, warum wir so schlecht abgeschnitten haben.

Glorreich der Halunke, der denkt, dass es am Wahlkampf gelegen hat. Sicher, dass ist einer der Punkte. Aber einen entscheidenden sehe ich eher im Vorfeld des Wahlkampfes: Die Klärung der Frage, wo wir eigentlich stehen oder standen?

Ich erkläre das gern an einem Beispiel aus meinem Arbeitsleben. Ich arbeite in einer Taxizentrale. Etwa fünfzehn Prozent unserer Anrufer wissen, wo sie denn hin wollen, können aber die simple Frage, wo sie denn sind, nicht wirklich beantworten. „Landsberger Allee vorm Bäcker“ ist da noch eine harmlose Beschreibung. Dass die Landsberger Allee etwa zehn Kilometer lang ist und viele Bäckereien beheimatet, fällt diesen Fahrgästen erst auf, wenn es darum geht, wo wir sie denn abholen sollen.

In dieser Situation befindet sich derzeit leider Gottes auch meine Partei: Wir wissen, wo wir hin wollen, haben hunderte Ziele. Wir wissen, wo die Reise irgendwann mal enden soll, aber wir haben keine wirkliche Ahnung, wo sie denn überhaupt losgehen soll.

Und was wir völlig außer Acht gelassen haben ist, die WählerInnen als das zu betrachten, was sie aber im Endeffekt sind: Eine Art Bank. Eine Bank, von der wir einen Kredit in Form von Vertrauensvorschuss haben wollten, rückzahlbar über vier Jahre.

Wenn ein Gebäudereinigungsunternehmer zu einer Bank geht um einen Kredit für eine Bohnermaschine zu bekommen, muss er seine aktuellen Zahlen offenlegen: Wie viel setzt der Betrieb monatlich um, wie hoch sind die Unkosten, wie hoch sind die Gewinne und so weiter und so fort. Und daraus errechnet die Bank seine Möglichkeiten, die Kreditraten auch zu bedienen. Auch die Frage der Kompetenz des Kreditnehmers spielt eine Rolle. Mit all diesen Fragen sind wir wieder bei einer Bestandsaufnahme.

Will der Gebäudereinigungsunternehmer nun einen Kredit bekommen, um eine Autoproduktion zu eröffnen, wird die Bank ihm den wahrscheinlich verweigern. Schuster bleib bei deinen Leisten. Wir Piraten aber haben in unserem Wahlprogramm zu möglichst vielen Themen versucht, irgendwie Stellung zu beziehen, ohne jedoch dafür kompetent zu sein. Lieber schrieben wir zu einigen Themen belanglose Sätze ohne jede Aussagekraft. Frei nach dem Motto: Hauptsache es steht was dazu drin und der Wälzer wird schön dick. Ob dass dann überhaupt jemand ließt war scheinbar nebensächlich. Unsere Kernthemen haben wir dabei ein wenig aus den Augen verloren. Wir haben angefangen, uns zu verzetteln. Vielleicht haben wir dadurch auch nicht verstanden, dass Geschenk zu nutzen, welches uns Edward Snowden mit seinen Enthüllungen gemacht hat. Die Menschen dieses Landes haben sogar darauf gewartet, dass wir diesen Ball, den er uns zugespielt hat, ins Tor schießen. Wir haben es nicht getan. Wir haben lieber in den Kernthemen anderer Parteien gewildert. Ohne Erfolg, wie wir jetzt wissen. Besinnen wir uns endlich wieder auf unsere Kernthemen. Die Themen, in denen wir kompetent sind.

Wenn wir wieder eine Chance haben wollen sehe ich die nur darin, eine Bestandsaufnahme zu machen. Zu klären, wo wir derzeit stehen. Erst dann können wir die Ziele wieder ins Auge fassen. Warum? Weil wir erst dann wirklich wissen, welche Mittel wir einsetzen können und welchen Weg wir zur Erreichung unseres Weges beschreiten wollen. Und vor allem, welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen, womit zuallererst die reale Manpower unserer Partei gemeint ist.

Dass ist meine Sicht der Dinge. Wenn wir nicht wirklich wissen, wo wir sind, nutzt es uns nichts, wenn wir das Ziel kennen. Wenn wir dann nämlich einfach drauflosgehen, werden wir uns verlaufen. Und schon gar nicht können wir den WählerInnen dann klarmachen, warum sie uns überhaupt wählen sollen.

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Ein Gedanke zu „Die wichtigste Frage: Wo stehen wir?

  1. Ich habe mir 2012 mal Gedanken um diese Frage gemacht, und bin zu dem Schluss gekommen, das sich die klassische Rechts-Links schiene zu einer politischen Ebene entwickelt hat, deren andere Achse Pro und Kontra Technik heißt. Habe den Artikel unter Webseite verlinkt.

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