Mache ich Wahlkampf? Eine schwere Entscheidung

Mache ich Wahlkampf? Eine schwere Entscheidung

In den nächsten Wochen werde ich mir bewusst werden müssen, ob ich für meine Piratenpartei und ihre KandidatInnen Wahlkampf machen möchte und werde. Ob ich an einem Wahlkampf teilnehme, auf den ich mich schon wahnsinnig gefreut hatte. Klingt pervers, oder?

Es klingt so pervers, wie dass, was auf dem Bochumer Parteitag im Vorfeld der Wahlen abgegangen ist. Oder genauer gesagt: Auf Twitter. Es wiederholte sich das gleiche Spiel wie in der Berliner Universal Hall, als im Februar 2013 die ListenkandInnen für die Bundestagswahl gewählt wurden. Die Vorstellungsrunden der Kandidaten waren vorbei und schon brach es auf Twitter los: Man solle doch die Frauen wählen. Darüber hatte ich schon damals hier geschrieben.

Ich habe absolut nichts dagegen, wenn Frauen auf die ersten Plätze gewählt werden. Wenn sie besser geeignet sind und die Mehrheit für sie stimmt, ist das nicht nur absolut okay sondern richtig. Was ich aber absolut nicht mehr unterstützen kann ist, wenn im Vorfeld der Wahl die Abstimmenden bearbeitet und somit beeinflusst werden. Das ist meiner Piraten unwürdig.

Interessanterweise kamen in meiner Timeline diese Tweets vorrangig von genau den Frauen, die bei anderen Gelegenheiten sofort aufschreien, wenn Frauen bei irgendwas vermeintlich benachteiligt werden sollen. Die Frauen, die am meisten für eine Geschlechtergleichstellung eintreten, machen nun Stimmung, Frauen zu bevorzugen. Damit treten sie genau die Geschlechterdebatte los, die sie sonst nicht haben wollen. Und sie fordern einen Geschlechterbonus ein, den sie sonst andersrum so vehement ablehnen, zum Teil sogar bekämpfen. Muss ich nicht verstehen.

Auch ich habe getwittert, dass ich mich freuen würde, wenn die @Senficon gewinnen würde. Auch sie ist weiblich. Damit habe ich aber nicht gefordert, Frauen generell auf die ersten Plätze zu wählen, sondern ich habe eine erwähnt, die ich selbst gewählt hätte, weil mir ihr Programm zusagt. Auch wenn sie noch sehr jung ist, bin ich dafür, ihr die Chance zu geben, zu zeigen, dass sie es schafft. Die nötigen Erfahrungen dazu wird sie schon sammeln.

Generell sollten die KandidateInnen danach ausgewählt werden, welche Ziele sie vertreten und ob man sie für geeignet hält, diese Ziele auch umzusetzen oder wenigstens auf den Weg zu bringen. Das Geschlecht darf dabei keine Rolle spielen. Von daher war ich erschrocken, dass gerade meine Piraten es für nötig zu erachten scheinen, dieses Spiel zu spielen.

Die Gleichstellung der Geschlechter steht übrigens in unserem Programm. Somit sollte es auch für jeden Piraten selbstverständlich sein, bei seiner Wahl nur die Qualifikation und nicht das Geschlecht zu berücksichtigen.

Ich weiß nicht, ob sie es schon wussten: An Wahltagen sind Wahlplakate vor oder in direkter Nähe von Wahllokalen verboten. Warum wohl? Ganz einfach: Kurzentschlossene sollen nicht noch auf den letzten Metern in ihrer Entscheidung beeinflusst werden. Dass hat seinen Sinn. Die Piraten haben gegen dieses Gebot zwar nicht mit Plakaten, umso mehr jedoch auf Twitter verstoßen. Wieder mal.

Ich möchte hier klarstellen: Ich erkenne das Wahlergebnis an, finde es sogar gut. Was ich anzweifle ist das Zustandekommen dieses Ergebnisses. Dass den Wahlberechtigten eine Gehirnwäsche verpasst wird. Dass die Geschlechterdebatte von genau den Frauen rausgekramt wird, die sonst dagegen sind. Aber hier gereicht es zum Vorteil. Nein, ich kann dass nicht unterstützen.

Wie anfangs gesagt: Ich werde die Entscheidung, ob ich Wahlkampf machen werde und somit ein Wahlergebnis vertrete, dessen Zustandekommen ich anzweifle, in den nächsten Wochen fällen müssen. Es wird Diskussionen darüber mit Mitpiraten geben. Und glaubt mir: Egal wie meine Entscheidung auch ausfallen mag, ich mache sie mir nicht einfach.

 

 

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Ein Gedanke zu „Mache ich Wahlkampf? Eine schwere Entscheidung

  1. Pingback: Bombergate und Bundesvorstand vs. Wahlkampf | Pirat Thomas Matzka

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