Bombergate und Bundesvorstand vs. Wahlkampf

Eigentlich hatte ich nach der Wahl der ListenkandidatInnen in Bochum beschlossen, nicht am Wahlkampf teilzunehmen. Warum? Ich zweifelte das Zustandekommen des Wahlergebnisses an. Aber dass nur nebenbei und genaues dazu hier.

Dann hatte ich mich doch auf den Wahlkampf gefreut, der vom Sommer 2013 hatte ein gewisses Suchtpotential entwickelt. Lasst uns die Bude rocken, auch wenn kaum Kohle dafür da ist! Ich hatte meinen Ärger niedergekämpft. Die Piratenpartei ist meine politische Heimat, ich habe hier viele neue nette Menschen kennen gelernt und irgendwie ist mir die Partei auch zur zweiten Familie geworden.

Dann Anne Helms Aktion in Dresden. Lange hatte ich gehofft, dass sie es nicht war, die dort Bomber Harris für den Tod zigtausender Zivilisten dankte. Sie dankte also einem Mann, der bereits vor dem zweiten Weltkrieg für den Einsatz von Streubomben gegen Araber verantwortlich war, die für ihre Freiheit vom britischen Joch kämpften. Ich hatte gehofft.

Seit einiger Zeit treten immer mehr Piraten aus unserer Partei aus. Viele deshalb, weil sie sehen, dass es extremen Linken gelungen ist, in der Partei Schlüsselpositionen zu besetzen oder als sich als Sprachrohr der Partei zu inszenieren. Piraten gehen unter anderem deshalb, weil sie nicht Teil einer extremistischen Bewegung sein wollen. Nun hat Anne Helm ihre Maske fallen gelassen und eine linksextremistische Aktion gebracht, die an Dummheit kaum zu übertreffen ist. Eine Aktion, von der sich selbst die Femen distanziert haben, als die sie versucht hat aufzutreten.

Sie selbst steht auf Listenplatz 5. Ihre Chancen ins Europaparlament einzuziehen stehen nicht mal schlecht, wenn denn die Piraten genug Stimmen auf sich vereinigen können. Wenn.

Anne Helms Aktion stößt viele Bürgerinnen und Bürger eher vor den Kopf als dass sie das Potential hat, Stimmen zu gewinnen. Liebe Anne: Hast du eigentlich eine Ahnung was es heißt, sich auf Arbeit für dein idiotisches Verhalten rechtfertigen zu müssen???

Das Schlimmste an allem ist aber, dass der Bundesvorstand es vorzieht zu schweigen. Bloß keine Stellung beziehen, sich bloß nicht mit den Extremisten in der Partei anlegen, die könnten ja sauer werden und auf Twitter meckern. So weit ist es mit meiner Partei gekommen. Der Bundesvorstand versucht in bester Kohl- oder Wowereitmanier das Problem auszusitzen. Irgendwann werden sich die Wogen schon beruhigen. Richtig. Irgendwann schon. Spätestens dann, wenn alle gemäßigten Piraten die Partei verlassen haben und niemand mehr da ist, der gegen diese Extremisten was tut.

Inzwischen treten, wie gesagt,  immer mehr Piraten aus Verzweiflung aus der Partei aus. Und was macht unser Vorstand? Drei mal darf man raten: NICHTS!!! Unserem Vorstand scheinen die Beweggründe egal zu sein, die immer mehr Piraten zum Austritt aus unserer Partei bewegen. Dabei ist es der Vorstand, der der Partei Orientierung geben soll. Unser Bundesvorstand ist aber Meilenweit davon entfernt, auch nur ansatzweise irgendeine Richtung vorzugeben. Aber gerade mit diesem Programm ist dieser Vorstand angetreten. Nur im Schweigen ist unser Bundesvorstand scheinbar unschlagbar.

Derzeit übernehmen immer mehr Landesvorstände die Aufgabe des Bundesvorstands indem sie sich positionieren und versuchen, ihren Leuten wieder Orientierung zu geben.

Für diesen Trümmerhaufen also war ich dann doch bereit, Wahlkampf zu machen. Freizeit zu investieren. Geld reinzustecken. Ideen umzusetzen. Dass hat sich, dank Anne Helm und ihren extremistischen Freunden in der Partei, erübrigt. Ich habe mal auf Twitter verfolgt, wie sie von den Extremisten in Schutz genommen wurde, die jedem, der Anne kritisierte, den Austritt nahelegten. Begründung: Die Kritiker seien schließlich in der falschen Partei. Geht es noch??? Auch ich bekam mein Fett ab. Scheiß drauf. Wenn man sowas von diesen hassverblendeten Menschen gesagt bekommt ist es ja schon fast wieder ein Grund, stolz darauf zu sein. Man ist ihnen im Weg. Wahrscheinlich weil man selber denkt, statt sich idiotische Ideologien überhelfen zu lassen und alles nachzuplappern, was irgendein Oberhirnie vorgibt. Aber offensichtlich merken immer noch zu wenige, dass es Extremisten sind, die unsere Partei und die geschaffene Infrastruktur zu übernehmen drohen. Dagegen müssn wir uns wehren.

Da Extremismus jeder Art meinen Werten entgegensteht, kann, darf und will ich keinen Wahlkampf für meine Partei machen. Ich würde nämlich damit eine Extremistin unterstützen und schlimmstenfalls mit dafür sorgen, dass sie ins höchste Parlament kommt. Wenn ich das unterstützen würde, wäre mein Handeln pervers. Und gerade weil Extremismus meinen Werten entgegen steht, bleibe ich trotzdem in der Partei. Ich überlasse denen nicht das Feld.

Alles in allem ist es schade. Ich hatte mich doch auf den Wahlkampf gefreut. Darauf muss ich nun wohl verzichten. Aber vielleicht fängt ja der Bundesvorstand endlich mal an, seinen Job zu machen. Vielleicht bezieht er sogar klar Stellung. Und vielleicht verschwindet Anne ja noch von der Liste, genügend Nachrücker gibt es ja. Dann kann auch ich für meine 48,00 Ero Beitrag wieder richtig Spaß haben und Wahlkampf machen. Vielleicht. Ein bisschen zuviel Vielleicht.

Weitere Links:

http://www.heise.de/tp/foren/S-Notbremse-tut-not/forum-275246/msg-24827732/read/

http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:MiBerG

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12 Gedanken zu „Bombergate und Bundesvorstand vs. Wahlkampf

  1. Aus deinen Eintrittsgründen:
    „In einer Partei, in der es keinen Fraktionszwang gibt, sondern jeder offen seine Meinung sagen darf, solange sie nicht gegen die geltenden Werte des Grundgesetzes verstößt.“

    Ob diese Meinung/Aktion gegen das Grundgesetz verstoßen hat, werden wahrscheinlich Gerichte klären (ich bin sicher, dass sie es nicht hat). Und bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.
    Ich würde denken, dem würdest du nicht widersprechen.

    Wir mögen das doof finden, oder sonstwas, aber es war nur ein provokanter Satz, keine Gewalt, keine Bombe. Manche scheinen das in der Aufregung zu vergessen.

    Also wenn jeder so reagieren würde, weil er etwas an einem Kandidaten zu kritisieren hat, würde es gar keinen Wahlkampf mehr geben. (Wär vielleicht nicht das schlechteste.)
    Realistisch wäre es übrigens schon eine Überraschung wenn wir überhaupt 2 oder gar 3 Mandate bekommen würden…

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    • Hier geht es nicht darum, ob sie strafbar gehandelt hat. Sie hat Opfer (und ja, dass waren die ca. 25.000 Toten von Dresden) verhöhnt und einen Luftwaffenhäuptling der Royal Airforce glorifiziert, dessen Luftkrieg gegen Deutschland heute selbst in Großbritannien als Kriegsverbrechen gewertet wird.

      Unabhängig davor haben selbstverständlich die Deutschen angefangen, andere Länder und Städte zu bombardieren. Dass steht völlig außer Frage.

      Worum es mir geht ist, dass wir verhindern müssen, dass unsere Partei ins Radikalenspektrum abgleitet. Deswegen will ich keine Radikalen unterstützen, kann also auch keinen Wahlkampf machen.

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  2. Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen. Es lässt sich nicht mehr übersehen, dass die Piraten von einigen lauten Extremisten in Beschlag genommen wurde. Und dann gibt es noch die Mitläufer, die das ganze komplett zu einem Faschismus-ähnlichem System machen. Ich erinnere nur an #blockempfehlung.

    Wenn die Piraten nicht die allerletzte Alternative und Hoffnung in der Politik wären, wäre das alles auch nicht so schlimm. Das sind/waren sie aber.

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    • Das war vielleicht vor einer Weile mal so. Wenn ich inzwischen die Tweets ansehe, zeigen zur Zeit die – ich nenn sie mal „Nichtlinke“n, wie undemokratisch und sogar menschenverachtend sie sein können. Dafür gibt es keine Ausrede, auch nicht, dass die anderen angefangen haben (das hat Bomber-Harris auch gesagt).
      Kommt mal runter, entspannt Euch und
      seht Euch mal neutral die Tweets an und welche Leute zuletzt ausgetreten sind. Die waren hauptsächlich „Mitte“ und zählten zu den vernünftigsten.
      Das sagt leider alles. Über die Partei und über Menschen im Allgemeinen.
      Und nein, Kriege führen nicht nur sogenannte Extemisten, das würde gar nicht funktionieren…

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      • Hallo Elling,

        du schreibst:

        „Kommt mal runter, entspannt Euch und
        seht Euch mal neutral die Tweets an und welche Leute zuletzt ausgetreten sind. Die waren hauptsächlich “Mitte” und zählten zu den vernünftigsten.“

        Ja. Es sind die Vernünftigsten. Und schau dir mal an, warum. Die Erklärungen passen meist wunderbar in diesen Blogpost.

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  3. Also, Du kannst in Nrw keinen Wahlkampf machen, weil eine aus Berlin sich in Dresden nackich macht und der BuVo nix sagt? Und wegen twitter?

    Nimm es mir nicht uebel, aber ich stecke bis ueber beide Ohren im Wahlkampf und mir gehen diese ganzen Medienlemminge total auf den Geist.
    Ihr diskutiert die ganze Zeit wie ferngesteuert ueber die Sau, die da gerade jeweils durchs digitale Boulevarddorf getrieben wird und merkt nicht, dass ihr selber die Sau seid.

    Und das krasseste ist, die wirklichen Probleme bleiben seit Jahren liegen, weil die meisten gar nicht begreifen, welche Sachen in dieser Partei wirklich undemokratisch und intransparent schief laufen. Die sind naemlich viel zu sehr damit beschaeftigt, sich im Kreis zu drehen und den eigenen Schwanz zu jagen.

    Ich bin der Meinung: nicht die Rechten oder Linken muessen gehen, sondern die Idioten.

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    • Hallo xilef;

      du schreibst

      „Also, Du kannst in Nrw keinen Wahlkampf machen, weil eine aus Berlin sich in Dresden nackich macht und der BuVo nix sagt? Und wegen twitter?

      Nimm es mir nicht uebel, aber ich stecke bis ueber beide Ohren im Wahlkampf und mir gehen diese ganzen Medienlemminge total auf den Geist.“

      Nein. Ich kann Bundesweit keinen Wahlkampf machen, solange ich damit Extremisten unterstütze, die sich auf der Liste befinden. So steht es im Blog und nichts anderes habe ich da geschrieben. Ich kann, will und darf aus Gewissensgründen keine Extremisten dabei unterstützen, in irgendwelche Parlamente einzuziehen.

      Vom Vorstand hätte ich mir eine schnelle und vernünftige Klärung der Sache gewünscht. Dafür ist der BuVo nämlich da.

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  4. Hoffentlich bleiben die vernünftigen Stimmen wie Thomas der Piratenpartei erhalten und gewinnen endlich mal wieder mehr Gewicht. Sie sind es, derentwegen ich diese Partei unterstütze.
    In Dresden gibt es sie glücklicherweise auch noch zur Genüge und so kann man berechtigte Hoffnung haben, dass sie am 25. Mai auch in der Stadtpolitik ein gewisses Gewicht bekommen.
    Die notwendigen Unterschriften für die Zulassung in allen Wahlkreisen zu bekommen, war eine ziemliche Zitterpartie und wurde durch den Auftritt einer Anne Helm sicher nicht gerade gefördert.
    Solche Leute sollten sich mal überlegen, ob die Verehrung eines Bombergenerals, der nicht nur in Europa Tausende Menschenleben auf dem Gewissen hat, mit einer humanistischen und linken Grundeinstellung zu tun hat, und auch mal zurückdenken, wofür die Piraten einst angetreten sind!

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  5. Hallo Flueggus, Danke für deine aufmunternden Worte. Glücklicherweise hat sich der Sturm erst mal gelegt. Es wird nicht der letzte sein, den diese Partei zu überstehen hat. Und nein: Ich denke nicht an Austritt.
    Mit dem großen Knall rechne ich aber erst nach den EU- und Landtagswahlen.

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