Die Presse und eine hausgemachte Krise

Man schrieb das Jahr 1912, als die Titanic sank. Vollmundig verkündete vorher die Reederei, die britische White Star Line, dass dieses Schiff unsinkbar sei. Ein einzelner Eisberg reichte dann allerdings, um „die Unsinkbare“ auf den Grund des Atlantiks zu schicken. Ein Eisberg und ein grenzenloses Überschätzen der damaligen technischen Möglichkeiten. Die Titanic war also doch nicht unsinkbar.

Vor einem ähnlich gelagerten Problem steht heute die Presse, die jahrelang in dem Wahn lebte, unangreifbar zu sein und Meinungen bilden zu können. Die Zeitungsverlage waren und sind sich ihrer Macht bewusst und setzten diese auch ein. Und trotzdem ist vor Allem in den letzten zwei Jahren immer mehr von einer Medienkrise zu hören. Diese Krise ist hausgemacht und basiert auf dem grenzenlosen Vertrauen in die eigene Macht, vergleichbar mit dem Vertrauen der Titanic-Konstrukteure in die Unsinkbarkeit ihres Schiffs.

Internet

Jahrelang verschliefen die großen Zeitungsverlage die Entwicklung. Sie setzten weiter auf (teure) Druckerzeugnisse, anstatt selbst eigene attraktive Angebote zu entwickeln um in großem Stil ihre Artikel einer ständig wachsenden Internetgemeinde zur Verfügung zu stellen. Erst als sich die Medienlandschaft immer deutlicher veränderte und mehr Menschen mit privaten Blogs ihre (nicht immer richtige) Sicht der Dinge veröffentlichten, zogen die Verlage nach.

Zwar sind endlich alle großen Verlage im Internet präsent, allerdings machen einige das Lesen von Artikeln dadurch unerträglich, dass sich immer wieder irgendwelche Werbefenster (Popups) oder sogar Videos (ungefragterweise!) öffnen.

Schon immer haben sich Zeitungen durch Werbung oder Anzeigen anderer Art (Sterbe- oder Hochzeitsanzeigen etc.) finanziert, also setzen sie auch weiterhin fast ausschließlich auf bezahlte Werbeplätze. Um die Einnahmen durch Werbung zu steigern, wurden immer mehr Anzeigen eingebunden und mit redaktionellen Inhalten vermischt. Dies führte jedoch zu einem Preisverfall für Anzeigenplätze, da die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Lesers auf mehr Anzeigefläche verteilt werden musste. Zudem wehrten sich die zunehmend genervten Leserinnen und Leser dagegen mit PopUp-Blockern.

Hatten früher viele Menschen eine Zeitung nur wegen ein- oder zwei speziellen Artikeln gekauft und so die Umsätze angekurbelt, lesen sie heute im Internet eben jene ein- oder zwei Artikel, wegen denen sie früher die ganze Zeitung kaufen mussten. Wie können die Zeitungen diese Umsatzverluste wieder auffangen?

Eine Möglichkeit bot der 2010 gegründete Bezahldienst „Flattr“, mit dem Leserinne und Leser einzelne Artikel bezahlen konnten (oder auch nicht). Ein Klick auf einen einfachen Button, am Fußende oder seitlich des Artikels platziert, und schon wurde von einem vorher bei „Flattr“ einbezahlten Guthaben ein bestimmter Betrag bezahlt. Diese Möglichkeit wurde jedoch von den Medienkonzernen kollektiv boykottiert. Mir sind nur die „taz“ und „der Freitag“ bekannt, die „Flattr“ einsetzen. Die Konzerne suchen lieber nach anderen Möglichkeiten, anstatt einer simpel umzusetzenden Methode auch nur ansatzweise eine Chance zu geben. Sie lassen dieses Projekt lieber sterben.

Statt dessen setzen immer mehr Zeitungsverlage so genannte Paywalls ein, Seiten oder Fenster, die dem Artikel vorgeschaltet sind und auf denen die Leserinnen und Leser gebeten werden, doch bitte etwas zu bezahlen oder auch nicht. Nichts anderes als „Flattr“ also, nur, dass hier noch ein nerviges Fenster erscheint. Dass dieses Konzept so nicht funktioniert, werden die Verlage bald feststellen.

Erscheinungsbild des Journalismus

Seit über einem Jahr greift das Wort von der „Lügenpresse“ massiv um sich. Und dass nicht nur bei den Verschwörungstheoretikern um Elsässer und Konsorten. Insgesamt schwindet das Vertrauen in die Medien, auch bei immer mehr Menschen, die politisch in der Mitte oder sogar sehr weit links stehen. Warum? Weil es die Presse ist, die sich, bis auf wenige Ausnahmen, immer mehr zu einer Hofberichterstattung der jeweiligen Regierung entwickelt hat.

Als Schröder Bundeskanzler war, wurden die Bemühungen, die HARTZ IV-Entwicklung voranzutreiben, hochgejubelt. HARTZ IV sei schließlich alternativlos und die Umgestaltung des Sozialsystems in diese Richtung längst überfällig. Dass es viele tausend Gegenstimmen und Demonstrationen dagegen gab, wurde eigentlich eher am Rande erwähnt, um den Schein der Erfüllung der Informationspflicht zu wahren.

Oder nehmen wir die von Inge Hannemann aufgedeckten Missstände in den Jobcentern. Sie hat im Prinzip nur aufgedeckt, was alle wussten, die schon mal als „Kunden“ beim Jobcenter waren. Alle wussten, was schief läuft, aber es passte nicht ins „offizielle Bild“. Da sollten lieber positiv klingende Nachrichten gebracht werden. Berichte über eine immer besser laufende Konjunktur, neue Rekorde beim Export, immer glorreichere Zahlen am Arbeitsmarkt. Also dass, was die Regierung im allerbesten Licht erscheinen ließ. Aber erst durch den Mut der Insiderin Hannemann wurde der Druck auf die Medien, doch auch mal die Realität zu schildern, so groß, dass sie gar nicht mehr anders konnten. Nun erfuhren die Leserinnen und Leser zwar auch nichts wirklich neues, aber nun hatten sie es schwarz auf weiß, dass die Zahlen am Arbeitsmarkt nur durch den massiven Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse entstanden sind. Und dass waren nur zwei Beispiele.

Die Medienkonzerne verkaufen ihre Leserschaft immer mehr für dumm und sehen dabei nicht, dass sie damit ihre eigenen Erzeugnisse in den Dreck treten. Schließlich unterstellen sie sich damit selbst, für Idioten zu schreiben. Aber die LeserInnen sind tatsächlich denkende Wesen, auch wenn viele Redakteure dass nicht wahrhaben wollen.

Nun stellen sich die LeserInnen verständlicherweise die berechtigte Frage, was aus dem freien und unabhängigen Journalismus geworden ist. Der Vorwurf, dass die Presse immer mehr von „denen da oben“ gesteuert wird, steht nicht umsonst im Raum. Dies betrifft die Auswahl der Themen ebenso wie auch den Inhalt der Berichterstattung. Schlecht oder gar nicht recherchierte Artikel, die nur auf der Vorlage von Pressemitteilungen von Bundeskanzleramt oder den Ministerien basieren, haben mit wirklichem Journalismus nichts mehr zu tun. Es muss mehr hinterfragt werden. Und den Job des Hinterfragens haben immer mehr die BloggerInnen übernommen.

Schutz der Presse und der Pressefreiheit

Die Presse hat – meiner Ansicht nach – zu großen Teilen ihre Unabhängigkeit schon lange eingebüßt. Seit vielen Jahren schon legt in vielen Zeitungsunternehmen nicht der Journalist fest, ob in seinem Artikel positiv oder negativ über eine Entwicklung geschrieben wird, sondern der Chefredakteur. Und wenn der der Ansicht ist, dass der Artikel genau so passt, gibt es einen Beschwerdeanruf vom Betroffenen. Genannt sei der Fall der BILD-Zeitung, bei der der Bundespräsident a. D. Wulff seine damalige Stellung dazu nutzen wollte, gegen das Erscheinen eines Artikels zu intervenieren. Die BILD brachte den Artikel doch und berichtete über den Anruf. Dass geschah relativ gefahrlos, Wulff befand sich bereits im freien Fall. Allerdings zeigt schon allein der Fakt, dass ein Politiker sich in der Position sieht, einen negativen Bericht über seine Handlungen durch ein einfaches Telefonat verhindern zu können, die enge Verflechtung von Medien und Politik und stellt die Unabhängigkeit sowie die Freiheit der Presse infrage.

Aber die Verlage legen sich auch sonst fleißig Knüppel in den Weg. Nicht nur, dass sie die Zeichen der Zukunft zu spät erkannt haben und weiterhinn verkennen, sie ignorieren auch viele Organisationen, mit denen sie eigentlich verbündet sein sollten. Beispielsweise bei der – wenn vorhanden – Berichterstattung über die Piraten. Diese Partei versucht, die Freiheit des Internets – und damit des Zukunftsmediums der Presse – zu sichern. Sie bemüht sich, damit auch die Zukunft einer wirklich freien und unabhängigen Presse zu erhalten beziehungsweise zu ermöglichen.

Was erfährt man aber aus der Presse über die Piraten? Irgendwelche sind ausgetreten. Die Piraten zoffen sich. Die Piraten haben interne Probleme und sind doch sowieso schon tot. Oder man liest: Nichts.

Während also alle anderen Parteien versuchen, die Presse lediglich vor ihren Karren zu spannen, macht man die Partei nieder, die für den Schutz der Presse, ihrer Freiheit und Unabhängigkeit ebenso eintritt wie für ihre Zukunft.

Fazit

Liebe Presseleute: Ihr braucht euch nicht zu wundern, wenn sich immer mehr Leute auch – oder schon vor allem – auf unabhängigen Blogs informieren. Eure Krise ist hausgemacht.

 

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Siebzig Jahre Befreiung – Wir sind in der Pflicht!

Heute vor 70 Jahren ging der zweite Weltkrieg zu ende. Da die meisten Zeitzeugen der damaligen Ereignisse nicht mehr leben, gibt es auch immer weniger Gelegenheit für uns später Geborene, diese Menschen zu befragen. Immer mehr Menschen werden auf Geschichtsbücher angewiesen sein und auf die „Wahrheiten“, die ihnen im schulischen Unterricht, in Fachbüchern oder in Museen vorgesetzt werden. Dass ist der ganz natürliche Lauf der Dinge. Wir können ja auch niemanden mehr fragen, wie es war, als er mit Alexander dem Großen in Persien einmarschierte. Hier sind wir auf die Geschichtsschreibung, die von Siegern verfasst wurde, und die Erkenntnisse der Archäologie angewiesen.

Beim zweiten Weltkrieg liegt die Sache aber doch ein wenig anders: Es gibt Fotos und Filmmaterial, die das Grauen der Kämpfe und den Horror der Ghettos und Konzentrationslager festhielten. Es gibt die Konzentrationslager, die, heute zu Museen umgestaltet, versuchen, dass dort gewesene Grauen und die systematische Vernichtung menschlichen Lebens in Erinnerung zu halten. Und es gibt noch sie: die Zeitzeugen. Wenn es auch immer weniger werden.

70 Jahre ist dass her. Wir sprechen also von – in etwa – einem Menschenleben. Eine lange Zeit also. Ich habe für mich einen Trick entwickelt, um einen besseren Zeitbezug herstellen zu können: ich bin jetzt 41 Jahre alt. Adolf Hitler, der dieses ganze Morden ausgelöst hat, hat sich also 29 Jahre vor meiner Geburt durch Selbstmord seiner Verantwortung entzogen. Nun ist die Zeitspanne zu mir und meinem Leben doch nicht mehr so lang.

Ich hatte das große Glück, Menschen verschiedener Nationen kennenzulernen, die diese Zeit des exzessiven Mordens erlebt haben. Vor Allem darf und durfte ich polnische Menschen zu meinen Bekannten, zum Teil sogar zu meinen Freunden zählen und bekam so einen Eindruck davon, wie Menschen, die diesen ganzen Schrecken miterlebt haben, heute ohne Hass auf die jüngeren Generationen Deutschlands schauen.

Da ist der Vater meines polnischen Freundes Zygmunt. Unter seinem Dach habe ich mehrmals übernachtet, wenn ich in Niedzwiedz nahe Wroclaw war. Er kämpfte in der polnischen Armee unter dem Oberkommando der Sowjets. Er war dabei, als der Warschauer Aufstand tobte, die Sowjets auf der anderen Seite der Weichsel Halt machten und die polnischen Soldaten zusehen mussten, wie die Aufständischen zusammengeschossen wurden. Und er war bei den Kämpfen um Berlin dabei. Von ihm habe ich, noch zu DDR-Zeiten, erfahren, dass es den „Sturm auf den Reichstag“ nie gegeben hat. Er warnte mich aber damals auch, dass nicht öffentlich zu sagen, in den Schulen wurde ja was anderes gelehrt. Dieser Mann starb leider vor etwa 10 Jahren.

Da ist Frau Skorupka aus Wiazowna bei Warschau, die Nachbarin meines Freundes Zygmunt. Auch sie hat mir erzählt, was damals passierte. Allerdings bin ich immer noch der Meinung, dass sie mir die wirklich schlimmen Dinge nie mitgeteilt hat um meine Gefühle als Deutscher nicht zu verletzen. Immer, wenn ich in Wiazowna bin, bäckt sie Kuchen für mich.

Bei einer Kranzniederlegung für die gefallenen Aufständischen des Warschauer Aufstands (von denen es zwei gab: einen jüdischen im Ghetto und einen allgemeinen), stellte mich mein Freund Zygmunt einem älteren Herren vor, der auch mit Blumen geehrt worden war. Ich sprach damals bereits polnisch, aber der Herr hörte sofort meinen Akzent heraus. Die Frage, woher ich käme, beantwortete ich wahrheitsgemäß: Aus Berlin. Er lud uns zu sich nach Hause ein, wir tranken Tee und es war ihm sichtlich peinlich, dass er in seiner ärmlichen Wohnung nicht mehr anzubieten hatte. Aber er erzählte uns, wie er als 14jähriger im Ghetto gegen die  deutschen Besatzer kämpfte. Wie seine Freunde bei den Kämpfen starben.

Dies sind nur drei Beispiele. Und warum nenne ich sie? Weil sie mir auch von den Dingen berichtet haben, die in keinem Geschichtsbuch jemals auftauchen. Von einem deutschen Armeearzt, der auch polnische Zivilisten behandelt hat, weil er vor Allem eins geblieben war: Ein Mensch. Und sie berichteten mir von schlimmen Begebenheiten, die auch in keinem Geschichtsbuch Erwähnung finden werden, weil sie im Krieg einfach mal zu alltäglich sind.

Alle drei haben vor Allem eins geschafft: Sie haben trotz aller traumatischen Erlebnisse ihren Hass auf „alles deutsche“ abgelegt. Sicher werden sie den Tätern nicht verzeihen, aber sie machen nicht die nachfolgenden Generationen für die im zweiten Weltkrieg durch Deutsche begangenen Verbrechen verantwortlich.

Alles, was diese Leute mir mit auf den Weg gaben ist, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Verantwortung dafür, dass sich so etwas nicht wiederholt. Und: Dieselbe Verantwortung gaben sie übrigens auch ihren eigenen Kindern und Enkeln mit. Und dieser Verantwortung müssen wir uns gemeinsam stellen. Deutsche, Polen, Russen, Tschechen, Franzosen, Belgier… In Erinnerung an etwa fünfzig Millionen Opfer.

BND – Lasst Stühle wackeln!

„Lasst Stühle wackeln!“ Unter diesem Motto hatten die Berliner Piraten unter ihrem Landesvorsitzenden Bruno Gert Kramm zur Demo vors Bundeskanzleramt gebeten. Zugegeben: Es kamen nicht wirklich viele Menschen. Dass mag weniger am Thema als an der Tageszeit (Donnerstag 10:30 Uhr) und dem öffentlichen Nahverkehr gelegen haben, den Kramm süffisant als „derzeit ein wenig problematisch“ bezeichnete. Schließlich streikt die GDL.

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Foto: Thomas Matzka

Um was ging es eigentlich? Es ging darum, symbolisch an Stühlen zu wackeln. An den Stühlen der Politiker, die seit Jahren aktiv die Wahrheit über das wahre Ausmaß der Überwachung bundesdeutscher Bürgerinnen verschweigen und ein ganzes Volk nach Strich und Faden belügen.

Vorneweg: Die Kanzlerin Angela Merkel. Besonders in ihrer Amtszeit (seit 2005 Kanzlerin) gerieten die Geheimdienste außer Kontrolle. Die Überwachung nahm Ausmaße an, die vorher nicht einmal die DDR-Staatssicherheit in ihren besten Zeiten erreichte. Privatsphäre? Nicht mit Merkel.

Weiter geht es mit Herrn Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Der hat nun die BND-Affäre in bester Pofalla-Manier für beendet erklärt. Ihm sei schließlich nichts nachzuweisen. Dass ist eher ein Anzeichen dafür, dass er seinen Job absolut nicht gemacht hat. Denn ihm ist jedenfalls auch kein Übereifer bei der Aufklärung der BND-Affäre nachzuweisen.

Um die Liste nicht noch länger zu machen, nenne ich hier jetzt nur noch die Namen, um wen es noch geht: um den ehemaligen und jetzigen Kanzleramtsminister Dr. Frank-Walter Steinmeier, Ronald Pofalla und Peter Altmeier, gegen die ehemaligen und jetzigen Geheimdienst-Koordinatoren im Kanzleramt Ernst Uhrlau (zugleich ab 2006 Chef des Bundesnachrichtendienstes), Klaus-Dieter Fritsche und Günter Heiß sowie gegen die ehemaligen und jetzigen Chefs des Bundesnachrichtendienstes August Hanning, Ernst Uhrlau und Gerhard Schindler. (Quelle: http://www.piratenpartei-nrw.de/2015/04/29/bnd-affaere-piraten-stellen-strafanzeige-gegen-fuehrende-koepfe/)

Gegen alle diese Herren der Schöpfung, nicht gegen Merkel, hat die Piratenpartei NRW Strafanzeige gestellt. Strafanzeige wegen geheimdienstlicher Tätigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland nach § 99 StGB. Alle diese Herren, und dass kommt immer mehr zutage, müssen in ihrer Amtszeit gewusst haben, was der BND an Daten weitergab. Und sie taten nichts dagegen. Wenn dass stimmt, können wir hier im Prinzip von Hoch- und Landesverrat sprechen.

Bewegung kam aber erst wieder in die Sache, als herauskam, dass der BND befreundete europäische Mächte für die NSA ausspioniert haben soll. Und ganz schlimm wurde es, als der Verdacht der Wirtschaftsspionage aufkam. Hier ging es schließlich nicht um das „einfache Volk, den niederen Pöbel“, sondern um Innovationen europäischer Wirtschaft, um viel Geld. Und so haben beispielsweise Airbus (bis 2013 EADS, Flugzeug- und Rüstungskonzern) als Wirtschaftsunternehmen und Österreich als Staat ebenfalls Strafanzeige gestellt. Witschaftsspionage gehört übrigens nicht zum Aufgabengebiet des BND.

Der extra eingesetzte NSA-Untersuchungsausschuss wird seit Monaten getäuscht. Zeugen können sich an nichts erinnern oder sind an Dienstgeheimnisse gebunden, der Ausschuss bekommt Unterlagen, in denen wichtige Passagen geschwärzt sind, Edward Snowden, der den Überwachungsskandal erst aufdeckte, kann nicht vor dem Ausschuss aussagen und so weiter und so fort. Was hier passiert ist wohl in der Geschichte der Vertuschung einmalig.

Und die Kanzlerin? Sie versucht die Sache wie üblich anzugehen: Sie will sie aussitzen. Als der Ausschuss nun die Herausgabe der Liste mit den Schlagworten, nach denen die NSA sucht, verlangte meinte sie, erst mal die amerikanischen Freunde fragen zu müssen. Ironie der Geschichte: Der Überwachungsskandal kochte erstmalig richtig hoch als herauskam, dass die NSA nicht nur die deutsche Bevölkerung überwacht, sondern auch Merkels eigenes Mobiltelefon abgehört wurde. Damals hieß es sofort „Lieber Barack, sowas macht man doch nicht!“

Die Situation ist für unser Land problematisch geworden und droht, aus dem Ruder zu laufen. Die Wirtschaft und befreundete Staaten verlieren das Vertrauen in unsere Regierung. Nur der deutsche Michel hält den Protagonisten des Skandals noch die Treue: Laut einer Umfrage, die vor ein paar Tagen herauskam, liegt die Union noch immer bei 43 Prozent. Und dabei ist ein Rücktritt Merkels längst überfällig.

Antifa und das Herumdoktern an Symptomen

Seit Monaten geht es durch die Medien und reißt durch die Inflation an immer gleichen Meldungen wohl keinen mehr so richtig vom Hocker: Im Mittelmeer ertrinken immer wieder hunderte Flüchtlinge. Viele Menschen sind trotzdem über die Größenordnungen schockiert. Menschen ertrinken bei dem Versuch, ihr Leben zu retten.

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Und dann gibt es die Antifaleute die versuchen, die BürgerInnen unseres Landes davon zu überzeugen, dass wir mehr Flüchtlinge aufnehmen. Es gelte, so viele Flüchtlinge wie nur irgend möglich in Europa, vor allem in Deutschland, aufzunehmen. Wir sind in der Pflicht und wer nicht mitmacht ist sowieso ein Nazi.

Dumm nur, dass sie die BürgerInnen dadurch verschrecken und gegen ihre Ziele dadurch aufbringen, dass sie wirklich Alle als Nazis diffamieren, die nicht in ihre Kerbe schlagen. Denn viele Bürger wünschen den afrikanischen Flüchtlingen von Herzen alles Gute, sehen aber andere Lösungsansätze als NUR die Aufnahme von Flüchtlingen. Dabei wollen sie aber keinem Menschen, der vor Krieg oder Hunger flieht, die Hilfe und das Asyl verweigern.

Wer vor Krieg, Folter oder Verfolgung flüchtet, fürchtet um sein Leben und sucht Sicherheit. Wer vor Hunger flüchtet, sucht irgendwo anders Nahrungsquellen, die sein Überleben sicherstellen. Alle von uns würden genauso handeln, jeder Mensch hat das Anrecht auf sein Paradies. Dass sehen die meisten BürgerInnen auch so. Wie ich zum Beispiel auch. Nur sind genau diese BürgerInnen für die Antifas halt Nazis, weil sie nicht auf jede ProAsyl-Demo gehen oder nicht für die Besetzung von Schulen durch Asylbewerber sind. Und außerdem wagen es diese BürgerInnen, etwa die Besetzung des Berliner Fernsehturms als Erpressung unserer Gesellschaft zu betrachten.

Liebe Antifa: Ihr doktert doch nur an Symptomen herum, die in Form von Asylbewerbern verständlicherweise nach Europa drängen. Um aber Symptome abzustellen muss man an die Wurzel des Übels heran. Und dass ist ein ganzes Stück mehr Arbeit als das „Von-Demo-zu-Demo-rennen“.

Ich spreche davon, die Ursachen von Hunger, Leid und Krieg auszumerzen. Und dazu ist es meines Erachtens eher notwendig, die großen Konzerne wieder an die Kette zu legen. Konzerne wie Nestlé, die in Afrika die Süßwasserressourcen aufkaufen, um damit horrende Gewinne zu erzielen. Süßwasser, welches die Menschen dort zum Leben brauchen. Oder nehmen wir Monsanto, ein Konzern, der mit verantwortlich dafür ist, dass riesige Urwälder abgeholzt werden. Und nicht zuletzt Finanzkonzerne wie – um den größten zu nennen – Black Rock, die in alles investieren, was Leid, Armut Hunger, Tod und Krieg verspricht. Da sind offensichtlich die größten Gewinne zu holen. (Black Rock ist auch Großaktionär bei Monsanto und Nestlé)

Kein Mensch flüchtet gern. Schließlich lässt er damit auch seine Familie, seine Heimat und auch seine Freunde zurück. Und damit ein Stück seiner oder ihrer Identität. Es sind die oben von mir genannten Missstände, die die Menschen Afrikas massenhaft zur Flucht treiben. Wenn ihr daran etwas ändern wollt, müsst ihr zuallererst an das Bewusstsein der hiesigen Bevölkerung appellieren. Dass fängt schon beim bewussten Einkaufen an. Wer bei PRIMARK einkauft, um billig an Kleidung zu kommen unterstützt damit die Firmen, die irgendwo in der dritten Welt billig und unter menschenunwürdigen, zum Teil extrem gefährlichen Zuständen produzieren lassen. Und hier fängt die Kette an.

Viele Menschen hierzulande sind dazu gezwungen, billig Kleidung zu kaufen, weil ihre Einkommen es nicht hergeben, FairTrade-Kleidung zu erwerben. Dass bedeutet, dass hier die Löhne ein vernünftiges Niveau erreichen müssen. Dazu aber muss man den Konzernen eines kürzen: Einen Großteil der Gewinne. Und diese müssten auf die MitarbeiterInnen als Lohn- oder Gehaltserhöhungen umverteilt werden.

Diese Gewinne jedoch versuchen die großen Global Player derzeit mit TTIP und anderen Abkommen zu zementieren und noch weiter auszubauen. Nicht umsonst ist ein von den Teilnehmerstaaten unabhängiges Gericht geplant, bei dem Unternehmen ihre entgangenen Gewinne einklagen können. Auf Kosten der SteuerzahlerInnen übrigens. Das Unternehmerische Risiko soll also auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Außerdem soll jede Sicherheit wie zum Beispiel der Verbraucherschutz ausgehebelt werden. Diesem gesamten Ansinnen heißt es sich entgegenzustellen.

Damit aber die Konzerne in Zukunft noch mehr schalten und walten können wie sie wollen, brauchen sie ihre Handlanger in der Politik. Und die müssen möglichst fest im Sattel sitzen. Und damit die auch im besagten Sattel bleiben, müssen sie mehr und mehr ihre Bevölkerungen überwachen. Dazu werden so wundervolle Sachen wie die Vorratsdatenspeicherung und ähnliches ausgeheckt. Und um den Konzernen Lohnverhandlungen in Zukunft so einfach wie möglich zu machen, erfinden die Handlanger in der Politik das „Tarifeinheitsgesetz“, mit dem ein großer Teil der Gewerkschaften ausgehebelt werden soll… Und so weiter und so fort.

Liebe Antifas: Ihr seht, dass das „Projekt Refgugees“ viel größer ist, als ihr es angelegt habt. Aber erst, wenn die „erste- oder die westliche Welt“ aufhört, die Menschen in der dritten Welt nach allen Regeln zu bestehlen und auszurauben, wird dass Flüchtlingsproblem gelöst. Dann hätten die Menschen in Afrika genug und bräuchten wahrscheinlich nicht mal unsere Hilfe.

Dass setzt aber freie BürgerInnen und eine starke Demokratie voraus. BürgerInnen, die bereit sind für „Ihre“ Sache einzustehen. BürgerInnen, die nicht nur bereit, sondern vor Allem auch in der Lage sind, faire Preise zu zahlen. BürgerInnen, die die Macht haben, Konzerne zu boykottieren wenn diese Menschen und Ressourcen in Raubrittermanier ausbeuten.

Seid ihr, liebe Antifas, bereit, diese riesige Aufgabe mit zu stemmen und die Ursachen der Syptome zu beseitigen? Ich lade euch gern dazu ein. Euer schräges „Feindbild“ müsstet ihr dazu aber ablegen. Also hört auf, euch von „Nazis“ umzingelt zu sehen und macht mit! Vor allem aber würdet ihr damit anderen großen Profiteuren am Flüchtlingselend einen Strich durch die Rechnung machen: Den Schleppern. Jenen Leuten, die zu horrenden Preisen die Flüchtlinge auf völlig überfüllte und zum Teil seeuntüchtige Schiffe und Boote stecken und denen es völlig egal ist, ob diese Menschen Italien oder Griechenland jemals zu sehen bekommen. Sie haben den Gewinn schon eingefahren.