Das Kartell – eine Mafia regiert

Nun haben wir wieder den Salat: Die schon lange prophezeihte nächste Bankenkrise ist im Anmarsch. Die seit 2008 schwelende Bankenkrise wurde von Politikern und den Banken selbst die ganze Zeit unter den Teppich gekehrt.

Politiker und Banken, Politiker und Wirtschaft, Politiker und Bosse… Jedenfalls Politiker und ein paar Leute, die man „Die da oben“ nennt. Eine Mafia, gegen die die Camorra wie ein Häuflein unschuldiger Kinder wirkt. Ein Klüngel, der sich gegenseitig in die Tasche wirtschaftet, die Demokratie ad absurdum führt und nach Kräften bestrebt ist, den größten Teil der BürgerInnen auszubooten.

Nachdem die Banken durch Milliardenkredite aus Steuergeldern gerettet wurden, begannen sie sofort wieder zu zocken. Politiker schritten dabei nicht ein. Schließlich möchte sich ja kein Politiker die Chance verbauen, doch mal für einen Vortrag vor Bankmanagern für einige tausend Euro halten zu dürfen. Man ist auf jedes Zubrot zum schmalen Politikergehalt (auch „Diät“ genannt) angewiesen.

Doch halt: In Deutschland müssen Banken jetzt in einen „Einlagenfond“ einzahlen, der angeblich die Einlagen der SparerInnen sicherstellen soll. Eine Augenwischerei, durch die die SparerInnen ruhiggestellt werden sollen. Während Mario Draghi, der Vorsitzende der Europäischen Zentralbank, dafür sorgt, dass SparerInnen keine Zinsen mehr bekommen, sondern sogar „Negativzinsen“ zahlen sollen wenn sie sparen, versucht er gleichzeitig, eine Inflation zu erzeugen und somit den Euro abzuwerten. Im Prinzip können SparerInnen also ihr Geld auch gleich verbrennen. Aber das ist ja strafbar.

Während in großen Teilen Europas, zum Beispiel in Griechenland, die Menschen durch die Politik gezielt in die Armut getrieben werden, wird aber gleichzeitig dafür gesorgt, dass von der Europäischen Union Kredite fließen, die aber nicht den BürgerInnen des Landes zukommen. Nein, damit darf das Land zuerst seine Verbindlichkeiten denen gegenüber begleichen (besser gesagt: abbauen), die das Land erst nach allen Regeln der Kunst ausgeraubt und sich dabei verzockt haben: den Banken.

Dass die Banken sogar darauf gebaut haben, wieder durch Steuergelder gerettet zu werden, zeigt sich schon dadurch, dass David Folkerts-Landau, Chefökonom der Deutschen Bank, ganz unverhohlen fordert, dass die Steuerzahler wieder mal für die Rettung italienischer Banken einspringen sollen. Er kann sich das leisten, die Banken haben eine starke Lobby in der Politik.

Als 2008 einige BürgerInnen fragten, warum denn die Steuerzahler für die Rettung der Banken einspringen sollten, kam aus der Politik die Antwort, dass die Banken ja schließlich systemrelevant seien und ohne Banken die Wirtschaft zusammenbrechen würde.

Es sind also genau die Unternehmen systemrelevant, die das System nach Strich und Faden ausplündern und zerstören? Nein. Sie sind für den Plan korrupter Politiker relevant, die – um sich selbst Vorteile bei ihren Lobbyfreunden aus der Wirtschaft zu verschaffen – derzeit die größte Umverteilungsaktion von unten nach oben auf den Weg bringen, die die Geschichte je gesehen hat. Aber halt: Wir sind schon mitten in dieser Aktion.

Einer der Hauptakteure dabei ist Jean-Claude Juncker. Ein Mann, der den Willen der BürgerInnen der Europäischen Union nach Kräften mit Füßen tritt. Er will TTIP unbedingt durchdrücken, ein Gesetz, welches Konzerne stärkt und dabei ordentliche Gerichte aushebelt und eine Paralleljustiz etabliert. Dadurch werden VerbraucherInnen komplett entrechtet, wenn sie ihr Recht gegenüber Konzernen einfordern wollen.

Nun musste er zwar zurückrudern und den staatlichen Parlamenten doch „erlauben“, über TTIP abzustimmen, aber er wird weiterhin einen Weg suchen, die Entscheidungen dann auszuhebeln , um diesen Wahnsinn durchzudrücken.

Dass Juncker und seine Kommision zurückrudern mussten lag nicht zuletzt am Widerstand der „kleinen Leute“ in dieser EU. Der Unmut der BürgerInnen gegen diese Mafia wächst. Die Frage ist, wann er sich wie entlädt. Vorsorglich wurde im 6. Zusatzprotokoll der Europäischen Menschenrechtskonvention unter anderem die Todesstrafe im Kriegszustand und eine Tötung zur Niederschlagung eines Aufruhrs erlaubt. Wenigstens haben die Akteure in dem Punkt Weitsicht bewiesen, als sie die Möglichkeit eines Aufruhrs in Betracht zogen.

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Wir pilgern mal zum Asylbewerberheim

Sigmar Gabriel (SPD) war der Erste der es für nötig erachtet hatte, ein Asylberwerberheim zu besuchen. Er war der Erste von denen, die statt komplett zu Versagen und zu Zögern von Anfang an hätten klare Kante zeigen müssen. Er war der Erste unserer Bundesregierung, der diesen Weg, leider viel zu spät, gegangen ist.

Die Mitglieder unserer Bundesregierung sollen nicht nur uns regieren, sondern vor allem auch unser Land in der Welt repräsentieren. Nicht nur wenn es darum geht, die Einhaltung der Menschenrechte in China oder Syrien einzufordern und die deutsche Sicht darauf zu vertreten. Sie sollen Deutschland auch nach außen repräsentieren wenn es darum geht, Schaden vom Ansehen unseres Landes abzuwehren.

Damit aber haben die Mitglieder unserer Bundesregierung viel zu lange gezögert als ein rechter Mob ein ganzes Wochenende randalierte und zu verhindern versuchte, dass Asylberwerber einen leerstehenden Baumarkt in Heidenau beziehen. Die Bundesregierung hat insgesamt auf kompletter Linie versagt, als wieder Bilder um die Welt gingen, die denen aus Rostock-Lichtenhagen vor 23 Jahren verdächtig ähneln.

Es scheint, dass sie erst abwarten wollten, wie denn die Kanzlerin Merkel reagiert. Aber wie gesagt: Es war ja auch Wochenende.

Erst nach ihrer Rede, in der sie diese rechten Aktionen eindeutig verurteilte, kamen immer mehr Politiker der Regierungsparteien aus ihren Löchern gekrochen und sprachen sich für die Flüchtlinge und gegen rechten Pöbel aus. Nur Sigmar Gabriel war schneller.

Der Schaden, der dem Ansehen unseres Landes entstanden ist, war da aber schon groß genug. Und er  wird größer. Immer öfter hören wir von brennenden Asylbewerberheimen, von rechten Idioten, die sogar versuchen, mit Messern bewaffnet in ein Asylbewerberheim einzudringen.

Jetzt setzt eine wahre Pilgerwelle ein. Immer mehr Bundespolitiker sehen sich nun in der Pflicht, doch mal persönlich bei den Asylbewerbern vorbeizuschauen. Mit ihnen zu reden. Man nennt dass dann „sich ein Bild von der Lage machen“.

Ob Merkel oder Gauck: Ihr kommt eindeutig zu spät, der Schaden ist da. Und nicht ihr seid es, die diesen Schaden nur noch begrenzen können, es sind vor allem die, die sich seit Wochen um die Flüchtlinge kümmern und diejenigen, die sich vor Ort dem rechten Pöbel entgegenstellen.

Die Politik hat seit Jahren nicht nur versagt, sie hat mitgeholfen, den Brand zu legen. Sie hat zugesehen, wie deutsche Waffen in Krisengebiete exportiert wurden. Oft gegen alle Bestimmungen und Gesetze. Aber Firmen wie Heckler&Koch zahlen ja Steuern, die Lobby ist stark. Auf dass, was diese deutschen Waffen mit auslösten, waren unsere Politiker nicht vorbereitet. Dass Krieg immer auch Flüchtlinge produziert, Menschen, die alles zurücklassen und nur ihr blankes Leben retten.

Sie hat auch mit der Diskussion um die Kosten für Flüchtlinge diesem rechten Mob Vorschub geleistet. Mit der Islamdebatte ebenfalls, die sinnlos Ängste schürte und dafür sorgte, dass viele nun plötzlich in jedem Muslim gleich einen Terroristen sehen.

Aber pilgert mal weiter zu abgebrannten oder zerstörten Asylbewerberheimen. Hört den Menschen dort aber gut zu wenn sie euch davon erzählen, dass ihnen (vielleicht deutsche) Granaten das Dach über dem Kopf zerstört und die Hälfte ihrer Familie getötet haben. Hört ihnen zu wenn sie euch berichten wie es ist, wenn man alles Vertraute zurücklässt und von Schleusern ausgeplündert wird. Wenn es ums nackte Überleben geht. Und dann macht endlich euren Job!

Die Presse und eine hausgemachte Krise

Man schrieb das Jahr 1912, als die Titanic sank. Vollmundig verkündete vorher die Reederei, die britische White Star Line, dass dieses Schiff unsinkbar sei. Ein einzelner Eisberg reichte dann allerdings, um „die Unsinkbare“ auf den Grund des Atlantiks zu schicken. Ein Eisberg und ein grenzenloses Überschätzen der damaligen technischen Möglichkeiten. Die Titanic war also doch nicht unsinkbar.

Vor einem ähnlich gelagerten Problem steht heute die Presse, die jahrelang in dem Wahn lebte, unangreifbar zu sein und Meinungen bilden zu können. Die Zeitungsverlage waren und sind sich ihrer Macht bewusst und setzten diese auch ein. Und trotzdem ist vor Allem in den letzten zwei Jahren immer mehr von einer Medienkrise zu hören. Diese Krise ist hausgemacht und basiert auf dem grenzenlosen Vertrauen in die eigene Macht, vergleichbar mit dem Vertrauen der Titanic-Konstrukteure in die Unsinkbarkeit ihres Schiffs.

Internet

Jahrelang verschliefen die großen Zeitungsverlage die Entwicklung. Sie setzten weiter auf (teure) Druckerzeugnisse, anstatt selbst eigene attraktive Angebote zu entwickeln um in großem Stil ihre Artikel einer ständig wachsenden Internetgemeinde zur Verfügung zu stellen. Erst als sich die Medienlandschaft immer deutlicher veränderte und mehr Menschen mit privaten Blogs ihre (nicht immer richtige) Sicht der Dinge veröffentlichten, zogen die Verlage nach.

Zwar sind endlich alle großen Verlage im Internet präsent, allerdings machen einige das Lesen von Artikeln dadurch unerträglich, dass sich immer wieder irgendwelche Werbefenster (Popups) oder sogar Videos (ungefragterweise!) öffnen.

Schon immer haben sich Zeitungen durch Werbung oder Anzeigen anderer Art (Sterbe- oder Hochzeitsanzeigen etc.) finanziert, also setzen sie auch weiterhin fast ausschließlich auf bezahlte Werbeplätze. Um die Einnahmen durch Werbung zu steigern, wurden immer mehr Anzeigen eingebunden und mit redaktionellen Inhalten vermischt. Dies führte jedoch zu einem Preisverfall für Anzeigenplätze, da die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Lesers auf mehr Anzeigefläche verteilt werden musste. Zudem wehrten sich die zunehmend genervten Leserinnen und Leser dagegen mit PopUp-Blockern.

Hatten früher viele Menschen eine Zeitung nur wegen ein- oder zwei speziellen Artikeln gekauft und so die Umsätze angekurbelt, lesen sie heute im Internet eben jene ein- oder zwei Artikel, wegen denen sie früher die ganze Zeitung kaufen mussten. Wie können die Zeitungen diese Umsatzverluste wieder auffangen?

Eine Möglichkeit bot der 2010 gegründete Bezahldienst „Flattr“, mit dem Leserinne und Leser einzelne Artikel bezahlen konnten (oder auch nicht). Ein Klick auf einen einfachen Button, am Fußende oder seitlich des Artikels platziert, und schon wurde von einem vorher bei „Flattr“ einbezahlten Guthaben ein bestimmter Betrag bezahlt. Diese Möglichkeit wurde jedoch von den Medienkonzernen kollektiv boykottiert. Mir sind nur die „taz“ und „der Freitag“ bekannt, die „Flattr“ einsetzen. Die Konzerne suchen lieber nach anderen Möglichkeiten, anstatt einer simpel umzusetzenden Methode auch nur ansatzweise eine Chance zu geben. Sie lassen dieses Projekt lieber sterben.

Statt dessen setzen immer mehr Zeitungsverlage so genannte Paywalls ein, Seiten oder Fenster, die dem Artikel vorgeschaltet sind und auf denen die Leserinnen und Leser gebeten werden, doch bitte etwas zu bezahlen oder auch nicht. Nichts anderes als „Flattr“ also, nur, dass hier noch ein nerviges Fenster erscheint. Dass dieses Konzept so nicht funktioniert, werden die Verlage bald feststellen.

Erscheinungsbild des Journalismus

Seit über einem Jahr greift das Wort von der „Lügenpresse“ massiv um sich. Und dass nicht nur bei den Verschwörungstheoretikern um Elsässer und Konsorten. Insgesamt schwindet das Vertrauen in die Medien, auch bei immer mehr Menschen, die politisch in der Mitte oder sogar sehr weit links stehen. Warum? Weil es die Presse ist, die sich, bis auf wenige Ausnahmen, immer mehr zu einer Hofberichterstattung der jeweiligen Regierung entwickelt hat.

Als Schröder Bundeskanzler war, wurden die Bemühungen, die HARTZ IV-Entwicklung voranzutreiben, hochgejubelt. HARTZ IV sei schließlich alternativlos und die Umgestaltung des Sozialsystems in diese Richtung längst überfällig. Dass es viele tausend Gegenstimmen und Demonstrationen dagegen gab, wurde eigentlich eher am Rande erwähnt, um den Schein der Erfüllung der Informationspflicht zu wahren.

Oder nehmen wir die von Inge Hannemann aufgedeckten Missstände in den Jobcentern. Sie hat im Prinzip nur aufgedeckt, was alle wussten, die schon mal als „Kunden“ beim Jobcenter waren. Alle wussten, was schief läuft, aber es passte nicht ins „offizielle Bild“. Da sollten lieber positiv klingende Nachrichten gebracht werden. Berichte über eine immer besser laufende Konjunktur, neue Rekorde beim Export, immer glorreichere Zahlen am Arbeitsmarkt. Also dass, was die Regierung im allerbesten Licht erscheinen ließ. Aber erst durch den Mut der Insiderin Hannemann wurde der Druck auf die Medien, doch auch mal die Realität zu schildern, so groß, dass sie gar nicht mehr anders konnten. Nun erfuhren die Leserinnen und Leser zwar auch nichts wirklich neues, aber nun hatten sie es schwarz auf weiß, dass die Zahlen am Arbeitsmarkt nur durch den massiven Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse entstanden sind. Und dass waren nur zwei Beispiele.

Die Medienkonzerne verkaufen ihre Leserschaft immer mehr für dumm und sehen dabei nicht, dass sie damit ihre eigenen Erzeugnisse in den Dreck treten. Schließlich unterstellen sie sich damit selbst, für Idioten zu schreiben. Aber die LeserInnen sind tatsächlich denkende Wesen, auch wenn viele Redakteure dass nicht wahrhaben wollen.

Nun stellen sich die LeserInnen verständlicherweise die berechtigte Frage, was aus dem freien und unabhängigen Journalismus geworden ist. Der Vorwurf, dass die Presse immer mehr von „denen da oben“ gesteuert wird, steht nicht umsonst im Raum. Dies betrifft die Auswahl der Themen ebenso wie auch den Inhalt der Berichterstattung. Schlecht oder gar nicht recherchierte Artikel, die nur auf der Vorlage von Pressemitteilungen von Bundeskanzleramt oder den Ministerien basieren, haben mit wirklichem Journalismus nichts mehr zu tun. Es muss mehr hinterfragt werden. Und den Job des Hinterfragens haben immer mehr die BloggerInnen übernommen.

Schutz der Presse und der Pressefreiheit

Die Presse hat – meiner Ansicht nach – zu großen Teilen ihre Unabhängigkeit schon lange eingebüßt. Seit vielen Jahren schon legt in vielen Zeitungsunternehmen nicht der Journalist fest, ob in seinem Artikel positiv oder negativ über eine Entwicklung geschrieben wird, sondern der Chefredakteur. Und wenn der der Ansicht ist, dass der Artikel genau so passt, gibt es einen Beschwerdeanruf vom Betroffenen. Genannt sei der Fall der BILD-Zeitung, bei der der Bundespräsident a. D. Wulff seine damalige Stellung dazu nutzen wollte, gegen das Erscheinen eines Artikels zu intervenieren. Die BILD brachte den Artikel doch und berichtete über den Anruf. Dass geschah relativ gefahrlos, Wulff befand sich bereits im freien Fall. Allerdings zeigt schon allein der Fakt, dass ein Politiker sich in der Position sieht, einen negativen Bericht über seine Handlungen durch ein einfaches Telefonat verhindern zu können, die enge Verflechtung von Medien und Politik und stellt die Unabhängigkeit sowie die Freiheit der Presse infrage.

Aber die Verlage legen sich auch sonst fleißig Knüppel in den Weg. Nicht nur, dass sie die Zeichen der Zukunft zu spät erkannt haben und weiterhinn verkennen, sie ignorieren auch viele Organisationen, mit denen sie eigentlich verbündet sein sollten. Beispielsweise bei der – wenn vorhanden – Berichterstattung über die Piraten. Diese Partei versucht, die Freiheit des Internets – und damit des Zukunftsmediums der Presse – zu sichern. Sie bemüht sich, damit auch die Zukunft einer wirklich freien und unabhängigen Presse zu erhalten beziehungsweise zu ermöglichen.

Was erfährt man aber aus der Presse über die Piraten? Irgendwelche sind ausgetreten. Die Piraten zoffen sich. Die Piraten haben interne Probleme und sind doch sowieso schon tot. Oder man liest: Nichts.

Während also alle anderen Parteien versuchen, die Presse lediglich vor ihren Karren zu spannen, macht man die Partei nieder, die für den Schutz der Presse, ihrer Freiheit und Unabhängigkeit ebenso eintritt wie für ihre Zukunft.

Fazit

Liebe Presseleute: Ihr braucht euch nicht zu wundern, wenn sich immer mehr Leute auch – oder schon vor allem – auf unabhängigen Blogs informieren. Eure Krise ist hausgemacht.

 

Überwachung – Wem nutzt sie wirklich?

Vor zwei Monaten habe ich, gemeinsam mit anderen, einem Mann in Malaysia geholfen, seinen Server zum laufen zu bringen. Wie? – mögen sie sich jetzt fragen. Schließlich sitze ich in Berlin, die anderen waren in den USA, in Kanada, in Frankreich und in Russland. Und trotzdem konnten wir ihm helfen. Facebook sei Dank. Immer wieder seine Fragen, was er jetzt machen muss, immer wieder postete er Bildschirmfotos, was seine Shell ihm ausgegeben hatte. Er bekam Antworten, was er nun eingeben müsste. Das Spiel wiederholte sich etliche Male und dann kam von ihm plötzlich ein Smiley. Der Linux-Server lief. Der erste, den er sich eingerichtet hatte.

Warum ich das schreibe? Ganz einfach: Über das Internet, hier via Facebook, haben Menschen verschiedener Nationen Hilfe geleistet. Es gab keine Grenzen. Ohne Hass aufeinander haben sie gemeinsam ein Problem gelöst. Die Welt rückt immer enger zusammen und dass ist gut so.

Nun gibt es diejenigen, denen das gar nicht schmeckt. Rüstungsfirmen zum Beispiel, die – um ihre Profite zu steigern – die Menschen lieber auf irgendwelchen Schlachtfeldern sehen wollen, damit sie sich gegenseitig die Kugeln in die Köpfe jagen, an denen wiederum gut zu verdienen ist. Aber für die gibt es ja die Lissaboner Verträge, in denen die Pflicht zur Aufrüstung festgeschrieben ist. Oder nehmen wir die Firmen, die durch Fracking ganze Landstriche vergiften oder vergiften wollen. Oder schauen wir auf die Firmen, die aus Grundnahrungsmitteln, wie zum Beispiel Wasser, höchstmöglichen Gewinn schöpfen wollen. Veolia wäre hier ein Beispiel.

Aber was hat das mit Überwachung zu tun? Ganz einfach: Es wird immer offensichtlicher, dass sich die „nationale Sicherheit“ in den Aktienkursen der Firmen ausdrückt, die ihr Geld mit Tod, Elend und Krankheit verdienen. Und für die in immer mehr Parlamenten so genannte „Volksvertreter“ sitzen, die neben ihren hohen Diäten auch noch bei den besagten Firmen die Hand aufhalten. Sprechen wir Klartext: Firmen, die ihre Lobbyisten in den Parlamenten haben.

Haben sie schon mal von einer Firma namens Black Rock gehört? Das ist eine Investmentfirma, die ziemlich viel Geld in genau solche Firmen investiert. Firmen wie Monsanto oder solche, die die Regenwälder in Indonesien abholzen. Black Rock investiert in Banken, die mit Lebensmitteln spekulieren. Black Rock ist also eine Firma, die ihr Geld unter anderem mit dem Tod und Elend von hunderttausenden oder gar Millionen Menschen macht und dabei über extrem gute Beziehungen in die Politik verfügt und Politiker nach ihrer Pfeife tanzen lässt. Black Rock-Chef Larry Fink ist mit EZB-Chef Mario Draghi befreundet, telefoniert mit seinem Kumpel, dem US-Finanzminister Tim Geithner und ist auch sonst extrem gut vernetzt. Der Focus hat das hier mal sehr gut beschrieben.

Black Rock ist also eine Investmentfirma, der ein friedliches Zusammenleben der Menschen genauso ein Dorn im Auge sein muss, wie das Lösen eines Problems zum Wohle aller. Zum Beispiel des Hungerproblems. In Afrika beispielsweise, wo in Gegenden mit sehr guten Böden die Menschen nichts anbauen können, weil ausländische Konzerne die guten Ackerböden aufkaufen, was die Staatschefs nach reichlichen Zuwendungen ermöglichen. Dort verhungern Menschen, obwohl neben ihnen Getreide und Mais in Massen gedeihen. Aber die sind für den Export nach Europa gedacht, da ist nämlich mehr zu verdienen. Und hinter allem stecken wieder Firmen wie unter anderem Black Rock. Und diese Firma ist nur ein Beispiel für viele Unternehmen, die eine „Politik der verbrannten Erde“ verfolgen.

Nun kommen wir aber mal wieder zum Internet zurück. Die Menschen vernetzen sich immer mehr und hier spielt das Internet eine entscheidende Rolle. Die Menschen können in sekundenschnelle Informationen austauschen und sich organisieren. Sei es über Twitter, Facebook, Email oder sonstigeDienste. Der „arabische Frühling“ hat das gezeigt. Und sie nehmen, mit dreister Frechheit, immer mehr ihre gesetzlich garantierten Rechte wahr. Über Plattformen wie Change.org oder Avaaz.org werden Petitionen eingereicht, die oft nicht mehr nur das Wohl der Menschen im eigenen Land im Blick, sondern weltweiten Bezug haben. Nehmen wir mal das Beispiel von Petitionen gegen die Abholzung der Urwälder. Oder den Kampf gegen Lebensmittelspekulationen. Denn Politiker, die als Lobbyisten in den Parlamenten sitzen, müssen irgendwie reagieren. Sie kommen in einen Interessenkonflikt, schließlich wollen sie ja demokratisch erscheinen und trotzdem die zusätzlichen Zuwendungen aus der Wirtschaft mitnehmen. Je mehr desto besser.

Und es sind Politiker, denen genau die Geheimdienste unterstehen, die uns nun alle überwachen, die genau herausfinden wollen, wer mit wem wie und warum vernetzt ist. Es sind Politiker, die mit wachsender Sorge sehen, dass sich die Menschen immer mehr vernetzen und immer öfter Forderungen stellen, die sie auch umgesetzt sehen wollen. Es sind Politiker, die zunehmend Entscheidungen fällen müssen, die gegen die Firmen gerichtet sind, von denen sie noch Zusatzeinkünfte beziehen. Diese Politiker brauchen die Geheimdienstinformationen, um gegensteuern oder überhaupt irgendwie reagieren zu können. Oder wenigstens, um so zu tun als ob sie was machen, wenn sie wieder mal eine halbherzige Protestnote verabschieden oder Gesetze, die eher Netzen gleichen denn schlüssigen und undurchlässigen Paragraphen.

Unsere Gesellschaft wird immer mehr zu einer Diktatur der Aktienkurse und der Konzerne. Die meisten Menschen sehen dass auch. Nur: Was viele scheinbar nicht sehen (wollen): Jede Diktatur basiert auf einer Überwachung der Menschen und der daraus folgenden Entrechtung derselben. Stasi, Gestapo, NKWD oder KGB lassen mal eben grüßen.

Das Internet bietet dem Menschen großartige Chancen. Aber Chancen wollen genutzt und auch verteidigt werden. Wir haben die Chance, für alle Menschen ein menschenwürdiges Dasein zu erreichen. Das Internet und die dadurch mögliche Vernetzung können uns dabei helfen. Deshalb muss es um jeden Preis verteidigt werden. Vor denen, denen eine Überwachung des Netzes durch die Geheimdienste wirklich nutzt: Vor Konzernen, Politikern und Lobbyisten. Wirtschaft und Politik sollen nämlich allen Menschen nutzen, nicht dem Gewinn einiger weniger.