Die Transparenz der katholischen Kirche

Kindesmissbrauch. Eines der schlimmsten Verbrechen, die sich ein normaler mitteleuropäischer Mensch vorstellen kann. An katholischen Schulen und Internaten in den 70er und 80er Jahren alltägliche Normalität. Als sich das erste Opfer zu Wort meldete und den unerhörten Vorwurf des Kindesmissbrauchs äußerte wurde er als Lügner diffamiert. Katholische Priester tun so etwas nicht, schließlich unterliegen sie dem Zölibat und haben damit keine „gewissen Bedürfnisse“. Dann meldeten sich noch einige ehemalige Schüler diverser katholischer Schulen und Internate mit den selben Vorwürfen. Das waren dann bedauerliche Einzelfälle. Nach und nach fanden aber immer mehr „ehemalige“ den Mut, öffentlich über ihre Misshandlungen zu sprechen und auch darüber, wie sie sexuell missbraucht wurden. Nun wurde seitens der katholischen Kirche dann doch zugegeben, dass es durchaus so etwas gegeben haben könnte, dass es möglich sei. Allerdings wurde immer nur das zugegeben, was nicht mehr abzustreiten war. Schadensbegrenzung war angesagt.

Irgendwann begannen die hohen Würdenträger, sich Asche aufs Haupt zu streuen und gelobten Aufklärung und Entschädigung. Die Frage stellte sich, wie geschundene Seelen zu entschädigen sind. Und ob das überhaupt machbar sei. Viele Entschuldigungen wurden ausgesprochen, personelle Konsequenzen angekündigt und außerdem wolle man in Zukunft alles anders und sowieso besser machen. Und vor allem wollte man mit aller Konsequenz und Offenheit alles aufdecken, schließlich ist ja die Kirche eine Organisation, in die man Vertrauen haben soll. Und dieses vertrauen wolle man zurückgewinnen.

Um diese Bemühungen zu untermauern holte man sich professionelle Hilfe vom Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) unter Christian Pfeiffer. Die Ermittler sollten Zugang zu allen relevanten Akten erhalten und auch ohne jegliche Behinderung ermitteln sowie ihre Ergebnisse öffentlich machen dürfen, von Transparenz war die Rede. Das war letztes Jahr.

Nun kündigte die Kirche diese Zusammenarbeit auf. Erst wollten die Kirchenoberen, dass nur von ihnen genehmigte Ergebnisse an die Öffentlichkeit getragen werden. Soviel zum Thema Transparenz und Offenheit. Dann stellte der Leiter des KFN, Christian Pfeiffer fest, dass Akten vernichtet oder vorenthalten worden waren. Soviel zum Thema Zusammenarbeit. Alles in allem hat die katholische Kirche jede vorher getroffene Vereinbarung gebrochen. Es fragt sich, wie die Opfer, von denen einige immer noch seelische Wunden haben, darauf reagieren, was sie fühlen, was in ihnen vorgeht. Die Kirche tritt „ihre Schäfchen“ mit Füßen. Trampelt auf deren Seele herum.

Es stellt sich mir wirklich die Frage, wie man zu einer solchen Organisation wieder Vertrauen fassen soll. Es scheint, als ob die „oberen Herren“, die Bischöfe  der katholischen Kirche, der selbigen einen Gefallen erwiesen haben. Den kleinen Priestern, die sich nichts zuschulden kommen lassen und die versuchen, für „ihre Schäfchen“ seelsorgend da zu sein haben sie jedenfalls keinen großen Dienst erwiesen.

Ja. Es gibt sie. Auch in der katholischen Kirche. Und sie stellen tatsächlich die große Mehrheit. Priester, die sich um ihre Gemeinde kümmern. Priester, die ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Gemeindemitglieder haben. Priester, die sich um Alkohol- oder Drogenabhängige kümmern und für die das Gebot der Nächstenliebe nicht sexuelle Handlungen mit Kindern bedeutet. Priester, die in einer Zeit, in der der Staat sich immer mehr aus der Verantwortung zieht wenn es um Jugendarbeit geht, Kindern und Jugendlichen sinnvolle Freizeitgestaltungen bieten und ein Auge darauf haben, dass die Kids nicht auf die schiefe oder extremistische Bahn geraten. Denen wird durch die Entscheidung einiger wortbrüchiger und verantwortungsloser Bischöfe der Job schwer gemacht.

Scheinbar haben die Verantwortlichen der katholischen Kirche letztes Jahr im Sommer den Aufklärungsaktionismus nur betrieben, um Zeit zu gewinnen, bis die Öffentlichkeit das Thema vergessen hat. Offensichtlich wollte man Gras „über die Sache“ wachsen lassen. Sie haben nicht damit gerechnet, dass die Öffentlichkeit so schnell wieder wachgerüttelt werden kann. Bleiben wir wach. Schauen wir hin. Kindesmisshandlung und Kinderschändung sind, wie eingangs erwähnt, mit die furchtbarsten Verbrechen.

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